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Neusser Woche Jugendstil-Sammlung Und Museumserweiterung
Es bleibt eine Frage der politischen Prioritäten

Neuss. Die Neusser sind hin- und hergerissen. Die Jugendstil-Sammlung ist verlockend schön - aber ist sie ihnen lieb, dann wird sie ihnen in Form des Museum-Anbaus auch teuer.

Im klassischen (aus dem griechischen »polis« abgeleiteten) Sinne bezeichnet Politik Staatskunst, das Öffentliche beziehungsweise das, was alle Bürger betrifft und verpflichtet, im weitesten Sinne das Handeln des Staates und das Handeln in staatlichen Angelegenheiten. Wer dieser Definition des Politikbegriffs der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) folgt, der kommt zwangsläufig zu dem Schluss, dass derjenige, der Politik gestaltet, nicht umhin kommt, Prioritäten zu setzen.

Ein beeindruckendes Beispiel für diese These liefert aktuell die laufende Diskussion, ob eine einzigartige, wertvolle Jugendstil-Sammlung als Schenkung angenommen wird, angesichts der damit verknüpften Bedingung, das Clemens-Sels-Museum derart zu erweitern, dass dort die 600 Exponaten gezeigt werden können. Erforderlich wäre eine Investition in zweistelliger Millionen-Euro-Höhe sowie bis zu zwei Millionen Euro (Kämmerer Frank Gensler) jährlich, um die Folge- und Betriebskosten zu decken. Damit ist die grundsätzliche Ausgangslage klar. Hier die einmalige Chance, unversehens ein Alleinstellungsmerkmal zu erhalten, dass das kulturelle Profil der Stadt schärft und dem Marketing eine Vorlage für eine Tourismus-Offensive liefern würde. Dort die hohen Investitionen und Kapitaldienste, die ein eh schon strukturell defizitärer städtischer Haushalt zu verkraften hätte. Der Abwägungsprozess, den jeder Stadtverordnete zu treffen hat, läuft am Ende nur zwischen diesen beiden Argumenten ab: Ist die Jugendstil-Sammlung eine Chance für Neuss oder ist der Preis im wahrsten Sinne des Wortes zu hoch? Jede Ratsfrau und jeder Ratsherr muss sich entscheiden und verantworten, wie er am 15. April im Stadtrat votiert - aber es ist keine Gewissensentscheidung, sondern es geht einzig und allein um politische Prioritäten. Mut, in ein Zukunftsprojekt zu investieren, oder Verzicht zu üben in der vermeintlichen Gewissheit, dass der, der nichts tut, auch keinen Fehler machen kann. Kämmerer Gensler tat im Finanzausschuss gut daran, keine Empfehlung der Verwaltung auszusprechen: Wer Verantwortung in der Politik übernimmt, muss sie auch wahrnehmen.

Quelle: NGZ
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