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Neuss
"Etienne" hilft Familien nach Entlassung

Neuss: "Etienne" hilft Familien nach Entlassung
Gemeinsam kümmert sich die Familie um Yilmaz Gencer (4. v. l.). Das Pflegebett steht mitten im Wohnzimmer. Von links: Sohn Sinan Gencer, Ehefrau Songül Gencer, Tochter Meryem Sieberger, die Enkel Aliya, Resat und Pinar, Claudia Kaufmann vom "Etienne" und Sohn Ben Gencer. FOTO: Susanne Genath
Neuss. Seit 2009 beteiligt sich das Johanna-Etienne-Krankenhaus an dem Projekt "Familiale Pflege". Es hilft Familien wie den Gencers bei der Organisation der Pflege, wenn sich ein Angehöriger plötzlich nicht mehr selbst versorgen kann. Von Susanne Genath

Yilmaz Gencer (71) schaut glücklich in die Runde. Auf seinem Bett im Wohnzimmer toben seine beiden Enkel Resat und Aliya, rund um den Couchtisch vor ihm sind seine Frau und vier Kinder versammelt. "Im Krankenhaus - vor fast fünf Wochen - hatten sie gesagt, es sähe gar nicht gut aus für ihn", berichtet Sohn Ben Gencer (37). "Jetzt hat er wieder richtig Farbe im Gesicht und läuft sogar wieder."

Die Familie hatte sich nach dem jüngsten Krankenhausaufenthalt von Yilmaz Gencer umstellen müssen. "Er war zwar schon länger pflegebedürftig", erzählt Tochter Meryem Sieberger (40). "Aber er konnte noch einiges selbst machen. Das ist jetzt leider nicht mehr so." Zusätzlich zur Alzheimer-Erkrankung sei nun auch Parkinson diagnostiziert worden. Daher sei sie sehr froh, dass sie im Johanna-Etienne-Krankenhaus auf das Projekt "Familiale Pflege" aufmerksam gemacht wurde, sagt Sieberger. "Ich hatte zwar davon gelesen, aber nicht getraut, mich selbst zu melden."

Das Projekt wurde von zwei Krankenkassen und der Universität Bielefeld gestartet, zahlreiche Krankenhäuser schlossen sich an, darunter das "Etienne" und das Lukaskrankenhaus in Neuss. In der "Familialen Pflege" werden Patienten und ihre Familien nach einer Krankenhausentlassung sechs Wochen kostenlos in der Organisation der Pflege unterstützt. "Wir bieten Hausbesuche an, helfen bei der Vermittlung eines ambulanten Pflegedienstes und zeigen wichtige Handgriffe zur Pflege des Angehörigen", erklärt Claudia Kaufmann. Sie ist Krankenschwester im "Etienne". "Medizinische Handgriffe übernimmt der Pflegedienst. Aber einen Patienten im Bett aufrichten oder ihm anderweitig zur Hand gehen, müssen ja auch die Angehörigen. Denn der Pflegedienst ist ja nur einmal am Tag da."

Claudia Sieberger teilt sich die Pflege ihres Vaters mit ihren Nichten. Denn den Geschwistern und der Mutter war klar, dass sie den 71-Jährigen niemals in ein Altenheim geben würden - zumal er durch seine Krankheit immer mehr Wörter vergisst. "Ich helfe ihm gerne", erklärt seine Enkelin Pinar Lüleci (21). Sie befindet sich zurzeit in der Ausbildung zur Erzieherin. "Da arbeite ich zwar mit Kindern, aber vieles ist ähnlich", sagt sie lächelnd.

Die Familie ist für das Angebot des Johanna-Etienne-Krankenhauses sehr dankbar. "Anfangs waren wir hilflos und wussten nicht, was wir machen sollten", erzählt Cinar Lüleci (41). Ihre Schwester Meryem Sieberger nickt. "Das hätten wir gar nicht alleine hinbekommen", ist sie überzeugt. "Wir sind ja alle berufstätig. Und unsere Mutter braucht auch schon etwas Unterstützung."

Dass die sechs Wochen kostenlose Unterstützung bald abgelaufen sind, beunruhigt die Geschwister nicht. "Wir haben ja die Telefonnummer von Frau Kaufmann, wenn mal etwas sein sollte", sagt Cinar Lüleci augenzwinkernd. Die Krankenschwester winkt auch nicht ab, sondern motiviert sogar dazu. "Manchmal reichen schon ein, zwei Sätze, um ein Problem zu lösen", hat sie festgestellt.

Quelle: NGZ
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