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Neuss
Etienne-Krankenhaus führt digitale Akte ein

Neuss: Etienne-Krankenhaus führt digitale Akte ein
Professor Jens Encke und Jörg Kurmann stellten gestern die Armbänder vor, die Verwechslungen von Patientendaten verhindern helfen. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Heute ist der internationale Tag der Patientensicherheit. Was das "Etienne" dafür tut, stellen Chefarzt und Pflegedienstleiter vor. Von Bärbel Broer

Rund 4000 Tabletten werden pro Tag an die Patienten des Johanna-Etienne-Krankenhauses (JEK) verabreicht. Um zu vermeiden, dass Patienten verwechselt und ihnen gar falsche Medikamente ausgehändigt werden, analysiert das Risikomanagement des JEK regelmäßig potenzielle Fehlerquellen. Anlässlich des heutigen internationalen Tages der Patientensicherheit stellten Professor Jens Encke, Chefarzt Innere Medizin, und Pflegedienstleiter Jörg Kurmann die unterschiedlichsten Sicherheitsmaßnahmen im JEK vor. Encke: "Darüber aufzuklären, wie wir mit den Themen Hygiene und Patientensicherheit umgehen, sind wir unseren Patienten schuldig."

Durchschnittlich nehme etwa jeder zehnte Patient mehr als 20 Tabletten pro Tag ein, so Encke, der auch Ärztlicher Direktor des JEK ist. Damit Mediziner und Pflegepersonal da nicht den Überblick verlieren, "sind wir im Prozess, alle Medikamente, die verabreicht werden, zu digitalisieren", sagt Encke.

Bereits vier Abteilungen haben die digitale Akte eingeführt. Sie ersetzt die klassische Papierakte, die sonst am Fußende des Krankenhausbettes klemmt. Ein Patienten-identifikationsarmband beugt zudem Verwechslungsgefahr vor. Bis Ende des Jahres wird es die digitale Akte auf allen Stationen des JEK geben. Elektronisch werden dann sämtliche Medikamente, die ein Patient einnimmt, auf ihren Wirkstoff umgestellt. "So sehen wir sofort, wenn Medikamente nicht zusammen passen oder gar zu einem Krankheitsbild führen können", sagt Encke.

Wird ein Patient entlassen, erhält er eine Liste aller verordneten Medikamente. "Sie ist mit einem QR-Code versehen, mit dem der Hausarzt die Medikation einlesen kann", erläutert Pflegedienstleiter Kurmann. Derartige Maßnahmen seien wichtig, da es immer mehr Patienten gibt, die aufgrund ihres Alters kognitive Einschränkungen haben. Beim Arztbesuch vergessen sie eventuell das eine oder andere Medikament zu benennen.

Verstärkte Medikationskontrolle ist nur ein Baustein in dem umfassenden Bereich der Patientensicherheit. Das Screening jedes neuen Patienten auf multiresistente Keime - auch MRSA genannt - ist seit nunmehr anderthalb Jahren Standard im JEK. "Bei jeder Neuaufnahme - auch den Notfällen - machen wir einen Nase-Rachen-Abstrich. 24 Stunden später liegt das Ergebnis vor und wir wissen, ob ein MRSA-Träger darunter ist", erklärt Encke, der auch Vorsitzender der hausinternen Hygienekommission ist. Im Schnitt gebe es etwa zehn stationäre MRSA-Träger im Haus - entsprechend der üblichen Häufigkeit in der Bevölkerung. Diese werden dann isoliert. "Wir haben keine eigene Isolierstation, sondern es werden Einzelzimmer in den jeweiligen Abteilungen hergerichtet."

Das Personal muss dann Mund-Nasenschutz, Kittel und Handschuhe tragen. Vier Hygienefachkräfte, die eine zweijährige Weiterbildung absolviert haben, sorgen für die korrekte Umsetzung, so Kurmann.

Denn vom Reinigungspersonal bis hin zur Geschäftsführung müssen alle für das Thema Hygiene sensibilisiert sein, sagt Encke. "Patientensicherheit ist ein weites Feld. Sie fängt bei der Wasserleitung an, geht über die Medikation, die Operation bis hin zur Mitarbeiterschulung.

Quelle: NGZ
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