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Neuss
Ex-Nato-Soldat in Vietnam fährt Behinderte in Neuss

Neuss. Erk Detambel verlor Hab und Gut an einen Betrüger. Er suchte einen Broterwerb und er fand eine Aufgabe.

Mutter mit finnischen Wurzeln, Vater frankophil. Schon der Name signalisiert: Erk Detambel passt in keine Schublade. In sechs Sprachen kann er sich verständigen, aber am besten spricht er Klartext. Der Mann sagt, was er denkt und tut, was er sagt. Mag sein, dass seine Jahre als Soldat ihn geprägt haben. Für die Nato war er sogar einige Monate in Vietnam stationiert. Das war in den 1960er Jahren. Erk Detambel musste sich seinen Weg immer erkämpfen. Als Soldat, später als Unternehmer und heute als Rentner. Nach einem finanziellen Schicksalsschlag, er wurde um sein Hab und Gut betrogen, erhält er nur eine schmale 300-Euro-Rente. Zu wenig für einen, der seine Lebensleistung erbracht hat. Das schmerzt ihn, doch er klagt nicht.

Auch als 72-Jähriger steckt Erk Detambel nicht auf. Für seinen Kampf steht er gemeinsam mit seiner Frau Lore früh auf. Dabei ist, was als Broterwerb begann, ihnen zur Herzenssache geworden. Bereits um 6 Uhr ist das Ehepaar unterwegs, um körperlich und geistig behinderte Menschen zu transportieren. Morgens von zu Hause zur Schule oder zum Arbeitsplatz, nachmittags retour. Dabei sind Lore und Erk mehr als nur Chauffeure, längst sind sie zu vertrauten Bezugspersonen für ihre meist jungen Fahrgäste geworden, die sich nur in Rollstühlen fortbewegen können. Wenn das Ehepaar über "unsere Rollstuhlkinder" berichtet, dann schwärmen sie vom "fast familiären Verhältnis" und von den vielen Erlebnissen mit ihren Passagieren.

Lore und Erk Detambel fahren für Engler Transfer aus Bonn, einem Unternehmen, das sich auf den Transport von Behinderten spezialisiert hat. Täglich sind 90 Fahrzeuge unterwegs, vielfach sind Neunsitzer im Einsatz, oder Spezialfahrzeuge, die für den Transport von Rollstuhlfahrern, inklusive Lift, eingerichtet sind. Mit so einem Wagen, in Engler-Rot lackiert, ist Erk Detambel on Tour. "Engler setzt nur ortskundige Fahrer ein", sagt Erk, "wir werden durch Schulungen und Einweisungen für unsere Aufgabe qualifiziert." Er selbst weiß aber, dass eins besonders wichtig ist: "Wir müssen einen Draht zu unseren Schützlingen haben." Den hat Erk Detambel gefunden. Er, dem es materiell nicht gut geht, klagt nicht: "Es gibt Menschen, denen geht es schlechter als mir. Es ist gut, dass ich da bin, um ihnen zu helfen.

(lue-)
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