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Neuss
Fadista mit Weltschmerz und Chanson

Neuss. Im Zeughauskonzert trug Telmo Pires den Fado, einen portugiesischen Musikstil, vor.

Darauf waren viele Neusser neugierig: "Der besondere Abend", in der Zeughaus-Konzertreihe und im Abo inbegriffen, geht ganz neue Wege - und fernab von klassischen Hörgewohnheiten. Bis auf den sprichwörtlich letzten Platz war das Zeughaus besetzt, natürlich auch im Vertrauen auf den Intendanten der Reihe, den Kulturdezernenten Rainer Wirtz: "Hin und wieder findet sich Musik, die einfach zu schön ist, um sie Ihnen vorzuenthalten."

Gefunden hat er Telmo Pires und sein Fado-Ensemble. Pires (43), im Norden Portugals geboren, im Ruhrgebiet aufgewachsen, wo er noch vor dem Abitur ein erstes Rockkonzert gab, hat sich danach für das französische Chanson entschieden, seit beinahe zwei Jahrzehnten aber der Musik seiner Heimat verschrieben: dem Fado, dem unverwechselbaren portugiesischen Musikstil, der in vielen Molltönen vor allem von unglücklicher Liebe, Sehnsucht und der "saudade" erzählt, einem Weltschmerz, den wohl nur Portugiesen verstehen können.

Vor exakt einem Jahr gab es im Rheinischen Landestheater einen ersten, vom Publikum gefeierten Fado-Abend mit Louis Delgado, einem in Neuss lebenden Portugiesen, und seiner "Estrada Fado Group". Trotz internationaler Besetzung wurde hier der traditionelle Fado gepflegt. Telmo Pires arbeitet mit der Tradition und deutlichen Neuerungen, etwa Elementen des Jazz, die seinen eigenen und inzwischen stark beachteten Stil ausmachen.

Natürlich covert er Antonio Variacoes mit "Ao passa por Braga abaixo": Der 1984 in Lissabon gestorbene Songwriter vermischt zeitgenössische Musik mit traditionellen portugiesischen Rhythmen. Die meisten Texte und auch seine Musik schreibt Pires aber selbst: "Meu amor", das viel von seiner Nebenliebe "Chanson" erzählt. Das ruhig-balladeske "Morena" (Die Dunkle), einer der schönsten Titel, ist seine Liebeserklärung an die eigene Mutter. "Seine Stimme legt sich wie ein Schleier um den Hals" hat ein Kritiker geschrieben. Das war in Neuss nicht so. Pires' harter Bariton klingt meist dramatisch. Und doch wurde "Mal aventurado" des wichtigsten Fado-Komponisten Alain Oulman im unbegleiteten Solo zu einem intimen Gebet.

Der Abend lebte auch von der originalen und perfekten Gitarren-Begleitung: Sandro Costa (portugiesische Gitarre), Cajé Garcia (akustische Gitarre) und Jorge Carreiro (Bassgitarre) erhielten für ein wildes Instrumentalstück jubelnden Applaus. Perfekt ihre Interpretation des "Tango to Evora" der kanadischen Popmusikerin Loreena McKennitt. Telmo Pires hat diesen Titel mit einem eigenen Text zu "Os navios", zu Schiffen, die niemals wiederkehren, adaptiert. Begeistert von diesem Arrangement gestattete die Kanadierin eine Aufführung in Neuss.

(Nima)
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