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Neuss
Farb-Harmonie zwischen Vater und Sohn

Neuss. Die Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel" zeigt auf Schloss Reuschenberg eine Ausstellung von Vater und Sohn Heinz und Jan Reschke aus Münster. Vor allem, was die starke Farbigkeit betrifft, sind auch die Gemälde miteinander verwandt. Von Barbara Steingiesser

Nach der Ausstellung von "Rünger + Rünger" in diesem Sommer präsentiert Beate Düsterbergs Kunstinitiative "Wurzeln und Flügel" auf Schloss Reuschenberg nun erneut eine Schau mit Werken von einem Vater und seinem Sohn. Doch diesmal stammen sie nicht von einem Maler und einem Bildhauer, sondern von zwei Malern, und es sind auch keine abstrakten, sondern in beiden Fällen figurative Arbeiten. Und wenn die Gemälde auch hinsichtlich ihrer intensiven Farben miteinander verwandt zu sein scheinen und sehr gut miteinander harmonieren, so lassen sich doch stilistische Unterschiede erkennen, die dazu einladen, einmal nicht auf die Signatur zu schauen, sondern die Bilder aufgrund ihrer Malweise ihren Urhebern zuzuordnen.

Nach über 40 Jahren werden Werke von Heinz Reschke (1908-1972) und seinem Sohn Jan Reschke (geboren 1943) in dieser Ausstellung erstmals wieder gemeinsam gezeigt. Die Idee dazu entstand nach dem Tod des älteren Bruders von Jan Reschke, der den gesamten künstlerischen Nachlass des Vaters verwaltet hatte. Zuletzt waren Arbeiten von Heinz und Jan Reschke 1972 im Düsseldorfer Kunstpalast zu sehen, in der "Winterausstellung der Künstler von Nordrhein-Westfalen", die heute kurz "Die Große" heißt. "Dort hing", so die Kulturjournalistin Christa Hasselhorst, die bei der Eröffnung eine informative Einführung gab, "ein Bild von Jan Reschke neben einem von Otto Dix."

Heinz Reschke hatte Völkerkunde und Sprachen studiert und war später Lehrer an einem altsprachlichen Gymnasium in Hamm. Während seiner Studienzeit in Wien lernte er Oskar Kokoschka kennen und arbeitete in dessen Atelier. Als Mitbegründer der "Neuen Gruppe Münster 60", die sich in einer Zeit, in der fast ausschließlich abstrakt gemalt wurde, vornehmlich der figurativen Malerei widmete, war er 1968 an einer Ausstellung in Jerusalem und Tel Aviv beteiligt, der ersten Ausstellung deutscher Künstler in Israel nach dem Zweiten Weltkrieg.

Jan Reschke hat die Begeisterung für die Kunst von seinem Vater geerbt. Er wurde Restaurator und arbeitete später am Landesdenkmalamt. In ihren Gemälden zeigen Vater und Sohn eine Vorliebe für starke, warme, von innen heraus leuchtende Farben und für Motive mit Italien- und Frankreich-Bezug. Die Malweise des Vaters nähert sich der naiven Malerei an, die des Sohnes eher der Pittura Metafisica. Die Metaphysische Malerei hat italienischen Ursprung und erlebte ihre Blütezeit zwischen 1910 und Mitte 1920.

Überraschend ergriff eine prominente Besucherin bei der Vernissage auf Schloss Reuschenberg das Wort. Es war die heute 81-jährige Fluxus-Künstlerin Mary Bauermeister, auch sie hat bereits dort ausgestellt. Sie hielt ein flammendes Plädoyer für die Maler dieser Ausstellung und sich entschuldigte sich im Namen der abstrakt arbeitenden Künstler ihrer Generation dafür, dass sie in den 1960er Jahren der gegenständlichen Malerei Unrecht getan hätten. Heute sehe sie das anders, denn, so Bauermeister: "Diese Bilder sind dem Herzen nah."

Quelle: NGZ
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