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Neuss
Feinschmecker-Kabarett aus der "Rathauskantine"

Neuss: Feinschmecker-Kabarett aus der "Rathauskantine"
Er lacht demnächst in Burkina Faso: Jupp Schwaderath. FOTO: TaS
Neuss. Das Ensemble zeigt Adventsspecial in der Wetthalle. Von Susanne Niemöhlmann

Zum letzten Mal steckt Hausmeister Jupp Schwaderath der Tanne im Rathaus die Christbaumspitze auf. Jenen antiken Metallstern, der der Legende nach aus der Lanze von St. Quirin gefertigt und dann über Jahrhunderte von einem Rathaus-Hausmeister an den nächsten überreicht wurde. Dennis Prang verlässt das Kabarett-Format "Rathauskantine" des Theaters am Schlachthof (TaS) und wendet sich neuen Aufgaben zu - wie sein Alter ego, "Fazilliti und Manager" Jupp, der die Leitung seiner bedrohten Stiftung in Burkina Faso übernimmt.

Doch zuvor bereitete das Ensemble (Regie: Markus Andrae )beim Adventsspecial in der Wetthalle einen echten Festschmaus. Zusammen mit Sabine "Dat Rosi" Wiegand zeigten Prang, Stefanie Otten als Controllerin Simone Strack und Stadtarchivar Alfred Sülheim (Jens Spörckmann), dass sie in den nun 20 Ausgaben der Rathauskantine zusammengewachsen sind. Dabei kam thematisch vieles auf den Tisch, was die große Politik auf Bundes- oder internationaler Ebene, aber eben auch im Lokalen hergab. Garniert mit skurrilen Einfällen und herzerfrischendem Blödsinn: Schützenfest in Burkina Faso und Möbelhäuser in Neuss (und Kaarst), Minderheitsregierungen in Berlin und im Neusser Rathaus, Tour de France und Stau auf der Batteriestraße.

Großartig, wie die drei Rathaus-Mitarbeiter den Spagat zwischen ernster Gesellschaftskritik und intelligentem Kokolores hinbekommen. Etwa als "Die drei Iven", nämlich Exekut-, Legislat- und Judikative. Oder wenn Sülheim dafür plädiert, jenen, die Rettungskräfte behindern oder sogar attackieren, Führerschein und Auto wegzunehmen und sie so viele Sozialstunden ableisten zu lassen, "dass sie alleine den Pflegenotstand beheben".

Eine echte Bereicherung war Sabine Wiegand. Da folgte eine Pointe der anderen, wenn sie über Helikopter-Eltern und "pränatale Schwimmreifen im Fruchtwasser" lästert oder sich über Ehemann "Mampfred" lustig machte. Und beim Elton-John-Hit "I'm still standing", den sie mit "Dat is Wahnsinn" auf Donald Trump umtextete, setzte das Publikum dann nur zu gerne bei "Yeah, yeah, yeah" ein.

Apropos Gesang: Beinah adventliche Stimmung kam auf, als Psychologe Rohrspecht-Sparwasser "Lasst uns froh und munter sein" anstimmte. Und als dann auch noch ein durchgeknalltes Hippie-Paar kundtat, auswandern zu wollen - wohin wohl? Richtig: nach Burkina Faso - stellte sich die tröstende Zuversicht ein: Es wird ein Wiedersehen geben. Wenn auch mit Dennis Prang nicht mehr in der Rathauskantine, so doch in anderen Inszenierungen des TaS.

Quelle: NGZ
 
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