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Neuss
Feldversuch auf dem Alexianer-Areal

Neuss: Feldversuch auf dem Alexianer-Areal
FOTO: Bauverein
Neuss. Architekten sollen in einem Wettbewerb ausloten, wie Gestaltungsvorgaben der Politik und die Ziele des preisgünstiges Bauens zusammenpassen können. Vier Aufgabenfelder sind umrissen. Im Dezember werden ihre Entwürfe erwartet. Von Christoph Kleinau

Der Bauverein startet einen Feldversuch. Aus der 12,5 Hektar großen Fläche des künftigen Stadtquartiers Alexianergelände wurden vier Baufelder mit einer Gesamtgröße von 15.000 Quadratmetern herausparzelliert. Sie sind Gegenstand eines Architektenwettbewerbs, zu dem das städtische Tochterunternehmen jeweils drei Architekten eingeladen hat. Vergangene Woche wurde ihnen bei einem Kolloquium die Aufgabe vorgestellt, bis zum 8. Dezember sollen sie ihre Entwürfe vorlegen. Diese sollen zwei Fragen beantworten: Sind die Vorgaben des Gestaltungsleitfadens, wie ihn der Rat vorgibt, in der Praxis einzuhalten, wenn zugleich kostengünstig gebaut werden soll? Und: Klappt das auch zu dem anvisierten Preis?

Den hat der Bauvereins-Aufsichtsrat gedeckelt. Erstellungskosten von 1350 bis 1950 Euro je Quadratmeter Wohnfläche bilden den finanziellen Rahmen; beispielsweise 380.000 Euro die Obergrenze für ein Reihenhaus in der Vermarktung. Damit bleibt der Bauverein im Vertrieb deutlich unter dem, was möglich und auch vermarktbar wäre, hält sich aber an das Satzungsziel: "Wohnraum für breite Teile der Bevölkerung."

Dass für den Bauverein mehr drin wäre, belegt eine Standort- und Marktanalyse der Hamburger GEWOS GmbH. Die kommt zu dem Schluss, dass die geplanten 116 Eigentumswohnungen angesichts der großen Nachfrage zu Quadratmeterpreisen zwischen 4300 und 4400 Euro kurz- bis mittelfristig an den Mann zu bringen wären - 400 Euro über den Durchschnittspreisen der Wettbewerber. Allerdings wären diese Objekte in nachweislich guter bis sehr guter Lage nur für "Nachfrager mit höherem Einkommen oder Vermögen" finanzierbar. Zum gleichen Ergebnis kommen die Analysten bei der Preiskalkulation für die schlüsselfertig zu bauenden 32 Reihenhäuser (135 Quadratmeter Wohnfläche) und zwölf Doppelhaushälften (140 Quadratmeter) im Quartier. Ihre Preisvorstellungen zwischen 580- und 660.000 Euro halten die Experten zwar selbst für hoch, sie erscheinen aber, so heißt es in ihrer Expertise, "perspektivisch machbar, wenn die derzeitige Marktdynamik anhält".

Diesen Rahmen aber wird der Bauverein nicht ausschöpfen. In dessen Chefetage sucht man stattdessen nach Wegen, den Preis für ein Reihenhaus auf 380.000 Euro zu drücken - ohne dass dies die Marge des Unternehmens schmälert. Vorschläge dazu sind eine Verkleinerung der Wohnfläche auf 115 Quadratmeter, der Verzicht auf einen Keller - bei gleichzeitigem Verzicht auf ein (begrüntes) Flachdach, um so unter dem First noch Raum zu schaffen. Auch ein Erbpachtmodell für die einzelnen Baugrundstücke wird gerade durchkalkuliert.

Innovativ, preisgünstig und optisch ansprechend: Diese Vorgaben sollen die Architekten auch auf die 326 Mietwohnungen anwenden, von denen 155 öffentlich gefördert werden - was die Miete bei 5,75 beziehungsweise 6,65 Euro einfriert. Für frei finanzierte Wohnungen halten die Gutachter 8,60 bis 9,50 Euro je Quadratmeter für marktgerecht.

Quelle: NGZ
 
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