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Neuss
Florenz stoppt EU-Posse um Ölkännchen-Verbot

Neuss: Florenz stoppt EU-Posse um Ölkännchen-Verbot
Fedele Martorana mit einem Ölkännchen, das er seinen Gästen im Restaurant "La Bruschetta Due" auch künftig auf den Tisch stellen darf. FOTO: Hammer, Linda
Neuss. Wer im Restaurant seinen Salat oder sein Stück Brot in etwas Olivenöl tunken möchte, der wird auch weiterhin das Öl-Kännchen nutzen können, das in vielen Lokalen auf dem Tisch steht. Von Jessica Narloch

Bis gestern Nachmittag war nicht klar, ob dieses Kännchen ab dem kommenden Jahr von der EU aus den Restaurants verbannt werden würde. "Ein Ausschuss hat diesen Irrsinn – ohne Beteiligung des EU-Parlaments – auf den Weg gebracht", berichtet Karl-Heinz Florenz (CDU-EVP), der als Europaabgeordneter für den Niederrhein auch für den Rhein-Kreis zuständig ist.

Das Echo folgte auf den Fuß: Florenz hatte gestern zusammen mit zahlreichen weiteren Abgeordneten des EU-Parlaments einen offenen Brief an den Kommissionspräsidenten Jose-Manuel Barroso und die zuständigen Kommissare gesandt – mit Erfolg. Bereits am Nachmittag stand fest: Das Öl-Kännchen darf bleiben.

Doch warum war die wieder befüllbare Öl-Karaffe in Brüssel überhaupt in den Fokus geraten? "Das alles ist unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes geschehen", sagt Florenz. "Die Kännchen sollten durch kleine, einmalig zu benutzende Öl-Fläschchen ersetzt werden, damit die Gäste kein gepanschtes Olivenöl vorgesetzt bekommen", erzählt Florenz, der betont, ihm seien bisher keine Beschwerden über hundertfach gepanschtes Olivenöl in der Gastronomie zu Ohren gekommen. "Zuerst habe ich an einen Aprilscherz im Mai gedacht", sagt Florenz. Im Gegenteil legten die Gastwirte viel Wert auf Hygiene.

Neusser Restaurant-Besitzer sind froh, dass das Verbot vom Tisch ist – und nicht das Öl-Kännchen. "Wir wissen, was qualitativ hochwertiges Öl ist", erklärt Vito Cimino vom Restaurant "Osteria La Medusa". "Wir panschen nicht, schließlich wollen wir, dass unsere Gäste zufrieden sind." Das Öl werde in Liter-Flaschen gekauft und dann in die handlichen Kännchen gefüllt. "Die Gäste können gerne in die Küche kommen und sich von der Qualität überzeugen", sagt Fedele Martorana vom Restaurant "La Bruschetta Due". Ein Verbot hätte für die Gastronomen laut Florenz weitreichende Folgen gehabt: "Zum einen wäre mehr Müll entstanden, Öl wäre verschwendet worden und die Kosten gestiegen." Fedele Martorana stimmt ihm zu: "Das Öl auf den Tischen verschenken wir an die Gäste – sie können soviel nehmen, wie sie wollen. Wir müssen dabei auch an unsere Kosten denken."

Florenz vermutet hinter dem geplanten Verbot der Öl-Karaffen etwas anderes als Verbraucherschutz: "Das haben die Olivenbauern im Süden angestoßen, um mehr Profit zu machen. Aber die Opposition des EU-Parlaments hat Wirkung gezeigt. Dieser Fall zeigt, wie viel Einfluss Bürger – und das EU-Parlament als die Vertretung der Bürger – haben. Wenn wir gemeinsam aktiv werden, wird unsere Meinung gehört und entsprechend gehandelt."

(NGZ/rl/url)
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