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Neuss
Tänzer engagiert sich für Flüchtlinge

Flüchtlingshilfe in Neuss: Tänzer engagiert sich für Flüchtlinge
FOTO: lothar berns
Neuss. Materiell, aber auch künstlerisch: Der Neusser Ausdruckstänzer Zakaria Touba zaubert auch Flüchtlingen ein Lächeln auf die Lippen. Von Christian Kandzorra

Auf den ersten Blick wirkt es ein bisschen verrückt. Aber auf den zweiten Blick absolut genial: Zakaria Touba kann den Wind einfangen. Oder einen Ball werfen, der wie aus dem Nichts plötzlich wieder zurückkommt. Oder mit einer Kugel spielen, die eigentlich gar nicht da ist. Oder, oder, oder. Zumindest deutet der Ausdruckstänzer es mit vollem Körpereinsatz an.

Das gelingt ihm so gut, dass es authentisch wirkt und Zuschauer sofort wissen, was er zeigen möchte. Der 24-Jährige liebt es, mit seinen Tänzen Geschichten zu erzählen, Menschen zu bewegen, zum Nachdenken zu bringen - und zu unterhalten. Sein oberstes Ziel ist es jedoch, anderen Menschen zu helfen.

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So engagiert sich der Neusser in der Flüchtlingshilfe, trat unter anderem bei einem Fest im Flüchtlingsheim "Alexius" auf und zauberte gerade den jüngeren Bewohnern ein Lächeln auf die Lippen. "Wenn sie mich tanzen sehen, können viele den Alltag und oft sogar ihre Flucht vergessen. Und das motiviert mich immer wieder aufs Neue", sagt Zakaria Touba.

Er selbst stammt aus schwierigen Verhältnissen, musste in seiner Kindheit und Jugend einige schwere Schicksalsschläge verkraften. "Auch ich habe schon viel Leid erfahren. Ich möchte den Menschen zeigen, dass ich ihr Leid nachvollziehen kann, dass ich sie verstehe", erzählt Touba, der auf der Neusser Furth groß geworden ist.

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Ursprünglich stammt seine Familie aus Marokko, er selbst ist Muslim. "Ich war schon immer jemand, der viel Bewegung brauchte", erzählt der Ausdruckstänzer, der bis zu seinem 14. Lebensjahr leidenschaftlich Boxsport betrieben hat. "Dann musste ich wegen einer Handverletzung aufhören. Mit 16 habe ich dann den Ausdruckstanz für mich entdeckt", erinnert sich Zakaria Touba.

Mittlerweile tanzt er professionell. Wie seine Bewegungen - mal sind sie eckig und abgehackt, mal geschmeidig und rund - möglichst authentisch wirken, hat er übrigens nicht in einer Schule gelernt. "Ich habe mir die meisten Dinge selbst im Laufe der Jahre beigebracht." Dafür erntet der Fachabiturient verblüffte Blicke, Komplimente - und manchmal sogar Angebote verschiedener Produktionsfirmen. "Ich habe mich aber dagegen entschieden, kommerziell zu tanzen", sagt Zakaria Touba, der jetzt erst einmal Ethische Erziehung auf Lehramt studieren möchte und dafür auf ein Stipendium hofft.

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Besonders die Arbeit mit Kindern sei etwas, das ihn begeistere. "Ich habe auch schon Kindern meinen Ausdruckstanz beigebracht", erzählt der 24-Jährige, der regelmäßig auf Festen in der ganzen Region auftritt, den Kinderschutzbund unterstützt oder etwa Kleiderspenden für Flüchtlinge sammelt. Was ihn jedoch am meisten antreibt, ist die Kunst: das Tanzen und neuerdings sogar das Singen. "Passend zum Tanz, versteht sich", sagt Touba schmunzelnd. Manchmal arbeite er auch mit Bands zusammen, erzählt er.

Zu sehen ist der Neusser Ausdruckstänzer, der sich selbst den Künstlernamen "ZSakaTou" gegeben hat, unter anderem auch bei Wohltätigkeits- und Kulturveranstaltungen in Düsseldorf und Bonn - oder auf YouTube, wo er gemeinsam mit einem anderen Künstler bereits Videos veröffentlicht hat.

Quelle: NGZ
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