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Neuss
Fotokunst verbindet die Kulturen

Neuss: Fotokunst verbindet die Kulturen
Die Fotokünstler (v.l.) Thomas Schüpping, Olga Balobeiko, Melanie Stegemann und Igor Solovev stellen im Atelierhaus aus. FOTO: Stei
Neuss. Seit einem Vierteljahrhundert besteht die Freundschaft zwischen Neusser Fotokünstlern und Kollegen aus der Partnerstadt Pskow. Eine Ausstellung im Atelierhaus zeigt jetzt russische und deutsche Positionen zum Thema Akt. Von Barbara Steingeißer

Die erste Reaktion der Fotokünstlerin Melanie Stegemann auf die Frage, ob sie sich an einer Ausstellung zum Thema "Akt" beteiligen wolle, und zwar mit Fotos männlicher Modelle. "Akt? - Interessiert mich nicht." Doch dann fragte sie sich: "Warum habe ich eigentlich nie Akt fotografiert?" und nahm die Herausforderung an. Als sie hörte, dass auch zwei russische Fotografen an dem Projekt beteiligt sein würden, war sie Feuer und Flamme. "Da hätte ich vermutlich bei jedem Thema mitgemacht", sagt sie und lacht. Der Beginn der Vorgeschichte zur Ausstellung "Akt" im Atelierhaus, liegt jedoch viel länger zurück.

Als im März 1991 die Stadtbibliothek eine Ausstellung veranstaltete, die einen Querschnitt durch die Arbeiten von Igor Solovev und anderen Fotografen aus der russischen Partnerstadt Pskow zeigte, war der russlandbegeisterte Neusser Fotograf Hartmut Grosser gleich zur Stelle. "Igor hat mich spontan nach Pskow eingeladen", sagt er, "was bei den Wirren vom August 1991 gar nicht so einfach war." Inzwischen haben viele Besuche und Gegenbesuche stattgefunden. Bei dem Aufenthalt einer Neusser Delegation in Pskow im Mai - zugleich Antrittsbesuch von Bürgermeister Reiner Breuer - war auch Hartmut Rohmer dabei, Vorsitzender des Kulturausschusses und stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftskomitees. Bei der Besichtigung eines Foto-Ateliers entstand spontan die Idee zu einer gemeinsamen Ausstellung zweier russischer und zweier deutscher Künstler in Neuss. Für Kulturamtsleiter Harald Müller ist die russisch-deutsche Schau ein schönes Beispiel für Kulturaustausch. "Kultur bringt Menschen auf leichte und kommunikative Art zusammen", sagt er.

In der jungen Fotografin Olga Balobeiko, die bereits 2013 in Neuss ausgestellt hatte, war bald ein weiterer Teilnehmer aus Russland gefunden. Mit der Düsseldorfer Künstlerin Melanie Stegemann hatte das Kulturamt bereits mehrmals zusammengearbeitet. Sie wiederum empfahl den ebenfalls aus Düsseldorf stammenden Fotografen Thomas Schüpping.

Schüpping führt über die Malerei zur Fotografie und verweist damit auf die Tradition. Er zeigt ein einziges, aus vier Teilen bestehendes Werk. Eine lebensgroße Schwarz-Weiß-Fotografie eines Mädchenaktes hat er mit vier jeweils fast monochromen, in Spachteltechnik gearbeiteten Ölgemälden zu einem Quadriptychon zusammenmontiert und setzt damit der Bilderflut des Internets ein einzelnes Foto entgegen, das so zur Allegorie der Schönheit wird. Um die Darstellung des Schönen geht es auch Solovev und Balobeiko, die ihre weiblichen Modelle in der Natur aufgenommen haben, wobei die russischen Künstler Nacktheit weniger direkt ausstellen als die deutschen. Arbeitet Solovev vor allem mit dem Glitzern von Wasser und farblicher Verfremdung durch Filter, so setzt Balobeiko verschiedene ästhetische Mittel ein, vom Body-Painting bis Bewegungsunschärfe. Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit zur Fortsetzung mit einer weiteren themenbezogenen Ausstellung der Fotofreunde.

Quelle: NGZ
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