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Gisela Hohlmann
Frauen als Ehrengäste zum Schützenfest

Gisela Hohlmann: Frauen als Ehrengäste zum Schützenfest
100 Tage nach ihrer Wahl zieht Gisela Hohlmann, die zu den drei Stellvertretern von Bürgermeister Reine Breuer gehört, ehrgeizige Ziele im Visier. Sie will für Ratsfrauen den Zugang zur Zog-Zog-Versammlung frei machen. FOTO: woi
Neuss. Die SPD-Stadtverordnete Gisela Hohlmann ist 100 Tage als Stellvertretende Bürgermeisterin im Amt. Sie will mit Vorurteilen über dieses Ehrenamt aufräumen und Frauen in der Politik zu mehr gesellschaftlicher Anerkennung verhelfen.

Frau Hohlmann, beim Politischen Aschermittwoch der SPD haben Sie eine Schulentwicklung hin zu mehr Gesamtschulen gefordert und von Nachsteuern gesprochen. Was ist denn aus dem Ruder gelaufen?

Gisela Hohlmann "Wir haben als SPD-Fraktion nach langem, harten Ringen auch in Neuss einen Schulkompromiss schließen können, der ein Zwei-Säulen-Modell mit längerem gemeinsamem Lernen enthält. Dieser Kompromiss, der die Einrichtung von zwei Sekundarschulen vorsah, schien damals passend. Aber wir müssen jetzt wieder genau hinschauen. Sollte es bei den Anmeldungen für das neue Schuljahr wieder eine besondere Nachfrage nach Gesamtschulplätzen geben, sollten wir den Elternwillen erneut ernst nehmen und entsprechend handeln.

Und Sekundar- in Gesamtschulen umwandeln?

Hohlmann Wenn das der Wunsch aller Beteiligten ist, ja. Aber wir möchten das Thema wieder sachlich angehen und wollen nicht mit dem Kopf durch die Wand.

Sie sind seit zwei Jahrzehnten schulpolitische Sprecherin, aber erst seit genau 100 Tagen stellvertretende Bürgermeisterin. Trauen Sie sich eine erste Bilanz zu?

Hohlmann In der Schulpolitik ja. Stück für Stück haben wir durchsetzen können, was von uns als Weg zu mehr Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit erkannt wurde: Sichere Betreuung von 8 bis 13 Uhr, offene Ganztagsschule und wegen der starken Nachfrage auch Gesamtschulen. Als Bürgermeisterin habe ich schon eine Reihe von interessanten Terminen wahrnehmen dürfen. Trotzdem würde ich da lieber über meine Ziele sprechen.

Die da wären?

Hohlmann Ich möchte vor allem nachhaltig dazu beitragen, dass Frauen, die in Neuss politische Spitzenämter bekleiden, im gesellschaftlichen Leben die volle Anerkennung zuteil wird.

Ein Beispiel?

Hohlmann Die männlichen Mitglieder des Hauptausschusses werden zur Zog-Zog-Versammlung zugelassen, weibliche Mitglieder werden bislang ausgeschlossen. Repräsentieren wir die Stadt etwa nicht? Noch diskriminierender finde ich es, dass zum Neusser Schützenfest noch nie eine Frau als Ehrengast eingeladen wurde, ja, nach den noch geltenden Festlegungen wohl auch nicht eingeladen werden dürften. Unsere Ministerpräsidentin wäre zum Fest der Neusser nicht willkommen? Das kann doch im 21. Jahrhundert nicht wahr sein.

Als Sie Ihr Bürgermeisteramt antraten, wurde Ihnen kein eigenes Büro mehr zugestanden. Behindert das die Arbeit?

Hohlmann Wir drei stellvertretenden Bürgermeister teilen uns das ehemalige Vorzimmer des neuen Beigeordneten und dürfen - nach Anmeldung - sein früheres Dienstzimmer für Bürgerkontakte nutzen. Ich denke, dass das ein Minimum an Infrastruktur ist, um dieses wichtige Ehrenamt angemessen ausüben zu können. Alle öffentlichen Termine müssen sorgfältig vorbereitet werden, wenn man die Aufgabe ernst nimmt. Denn ich bin kein "Grüß-Gott-August". Mit diesem ärgerlichen Vorurteil möchte ich ebenso aufräumen wie mit der Mär vom Amt als Pfründe, die ein müheloses Zusatzeinkommen bietet. Wenn ich meine erhaltene Aufwandsentschädigung nach Steuern und Abführungen in einen Stundenlohn umrechnete, hätte ich einen Ein-Euro-Job.

Das klingt ernüchtert.

Hohlmann Nein, das ehrenamtliche Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin ermöglicht mir einen nahen Kontakt zu den Bürgern. Es ist eine schöne und ehrenvolle Aufgabe, die mich den Menschen meiner Heimatstadt näher bringt.

C. KLEINAU FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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