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Neuss
"Freiheit aushalten": Richard Rogler im Landestheater

Neuss. Den Künstler vorzustellen ist müßig, steht der Kabarettist Richard Rogler doch seit nahezu vierzig Jahren auf der Bühne. Markenzeichen des gebürtigen Oberfranken sind die stets schwarze Kleidung und eine messerscharfe Zunge, die vor nichts Halt macht. Im Landestheater stellte er in der Reihe "Kabarett - neusspunktacht" sein aktuelles Programm vor. Es geht um die Freiheit. Von Martin Horn

Glaubens- oder Meinungsfreiheit, jeder beansprucht das teure Gut für sich. Und die so Fordernden gehen daher auch recht inflationär mit dem Begriff um. Rogler stellt sich da eher die Frage, wie man denn - ohne den Humor zu verlieren - mit der Freiheit umzugehen hat.

Im Plauderton bestreitet er den Abend, vor und nach der Pause im Dialog mit dem Publikum. "Meine Nachbarin ist so ängstlich, die bringt jeden Morgen ihren Jungen mit dem Auto zur Schule, hat sie in der U-Bahn doch Angst um ihn. Das ist doch peinlich, vor allem für den Jungen. Und der ist Lehrer!" Kalauern kann er also auch. Aus dem Fernsehen kennt man ihn doch eher als kritisch bis böse. Das deutet er auch an, als er von der AfD-Anhängerin erzählt, die in Leipzig in die Mikrofone der Reporter trompetet, "...dass die Merkel mich jetzt gegen einen Neger austauschen will!" Er habe gelesen, sagt Richard Rogler, dass jeder in der Jugend durchschnittlich 10.000 Stunden zur Schule geht, Bildung genießt. "Da stellt sich bei dieser Frau doch die Frage, was da schiefgelaufen ist."

Absurd bis surreal wird es, als er vom Thermomix erzählt: "Kürbissuppe, überall gibt's neuerdings Kürbissuppe. Der Mixer ist mit dem Internet verbunden und lädt sich seine Rezepte selber runter, man muss sich um nichts mehr kümmern." Bei Rogler geht das Küchengerät aber auch einkaufen, hat ein Verhältnis mit der Registrierkasse vom Gemüseladen nebenan und isst auch schon mal selbst gerne ein Kotelett.

"Die EU will den Krieg in Mali beenden. Wie soll das gehen, wenn sich die 27 Staaten noch nicht einmal darüber einigen können, einheitliche Sicherheitsstandards für Fahrradhelme festzulegen?" Beim Thema Politik läuft der Wahlkölner auf Hochtouren: "Ich habe das Gefühl, ständig verarscht zu werden. Volker Beck ist stolz darauf, dass Frauen in Bordellen die Freiheit der Arbeitsplatzwahl haben. Ich nenne das Zwangsprostitution!"

Richard Rogler hat für sein Werk mit dem Deutschen Kleinkunstpreis, dem Deutschen Kabarettpreis und dem Adolf-Grimme-Preis die höchsten Auszeichnungen erhalten. Sein Fazit für den Abend ist dafür eher unspektakulär: "Das Schöne am Kabarett ist ja, dass es dann auch irgendwann aus ist."

Quelle: NGZ
 
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