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Neuss
Frings-Biografie zeigt volkstümlichen Kardinal

Neuss. Seit 2013 hat Friedhelm Ruf im Auftrag der Kardinal-Frings-Gesellschaft recherchiert, jetzt liegt sein Buch über den Neusser Ehrenbürger vor. Von Christoph Kleinau

Bis zu seinem Tod soll Josef Kardinal Frings damit gehadert haben, dass der in Zeiten größter Not begangene und so aus seiner Sicht legitimierte "Kohlenklau" im besonders eisigen Nachkriegswinter 1946 mit dem Begriff "fringsen" sprichwörtlich geworden ist. "Ob das alles so richtig war?", fragte er den Alexianerbruder Wunibald, der ihn in an seinem Lebensende begleitete - und der diese Begebenheit nun Friedhelm Ruf erzählte.

Für Ruf ist Bruder Wunibald eine der Quellen, die sonst nie für eine Biografie über den Kirchenfürsten angezapft wird und die deshalb seinem Werk "Der rheinische Kardinal" einen besonderen Zug gibt. Und für die Kardinal-Frings-Gesellschaft als Herausgeber ist er einer der Gründe, warum dieses Buch jetzt und nicht in fernerer Zukunft gemacht werden musste. "Die Zeitzeugen, die Frings noch persönlich erlebt haben, werden immer weniger", sagte er gestern bei der Buchpräsentation.

Für die 1996 gegründete Frings-Gesellschaft ist die neue Biografie über den Kölner Erzbischof das dritte wirklich große Projekt, mit dem sie die Person und das Werk des Neusser Ehrenbürgers Josef Frings lebendig halten will. Im Jahr 2000 setzte sie ihm am Quirinus-Münster ein Denkmal und 2006 war sie Sprachrohr derer, die - am Ende erfolgreich - eine Umbenennung der Südbrücke in Josef-Kardinal-Frings-Brücke forderten. Nun also ein Buch, das, so betont Autor Ruf, nicht die schon vorliegende Biografie von Prälat Norbert Trippen nacherzählen will. Widmet sich dieser dem theologischen Wirken des Kirchenmannes aus Neuss, so zeigt Ruf auch dessen volkstümliche Seiten. "Wenn Ruf sehr nett beschreibt, wie der Kardinal anderen begegnete, ist es, als stünde man dazwischen", sagt Ramakers dazu.

Dass Frings einer der herausragenden Bischöfe auf dem Kölner Erzstuhl war, betont sein Nachfolger, Rainer Maria Kardinal Woelki, der das Vorwort für die Biografie geschrieben hat. Dass Frings in diesem Amt nahe bei den Menschen, also volkstümlich war, macht unter anderem die Tatsache deutlich, dass der Kabarettist Konrad Beikircher kommenden Freitag nach Neuss kommt, um Buch und Gesellschaft einem größeren Publikum vorzustellen. "Vör minge Kardinal mach isch dat", sagte er Ramakers am Telefon spontan zu.

Ruf hat über der 2013 begonnen Arbeit an diesem Buch viel beobachtet, was ihn in Erstaunen versetzt. Zum Beispiel, wie präsent Frings heute noch in Köln und auch im dortigen Dom ist - und wie wenig Erinnerungsorte es in Neuss gibt. Oder wie viele Zeitzeugen er für sein Buch gesprochen hat, die noch heute von Frings schwärmen. Ruf ist aber in seiner Recherche noch andere Wege gegangen. Er hat Zeitungen und Zeitschriftenberichte ausgewertet, bei der Kölner Mundart-Band "Bläck Föös" genauso nach dem Kardinal gespürt, wie beim 1. FC in der Domstadt. Und er hat für das auch wissenschaftlichen Ansprüchen durchaus genügende Buch über den - so der Untertitel - "Seelsorger, Diplomaten und Brückenbauer" Dokumente zusammengetragen, die sonst kaum im Wortlaut überliefert sind. So wie Frings Silvesterpredigt des Jahres 1946, mit der "fringsen" Teil des deutschen Sprachschatzes wurde.

Quelle: NGZ
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