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Neuss
Gemalte Bilder von Menschen, Kühen und Ziegen

Neuss. Die Neusser Malerin Mascha Malzewa zeigt ihre jüngsten Bilder in einer Ausstellung im Kunstraum. Von Rudolf Barnholt

Besucher der aktuellen Ausstellung im Kunstraum Neuss könnten sich beobachtet fühlen. Kein Wunder, nannte die Künstlerin Mascha Malzewa ihre Einzelausstellung nicht ohne Grund "En face", was unter anderem so viel wie "Gegenüber" bedeutet. Besonders eindrucksvoll sind die Blicke der Kühe. Sie sind nicht nur die Lieblingstiere der Künstlerin, sondern aus ihrer Sicht auch bestens geeignet für ihre "psychologischen Porträts".

Die 31-Jährige wurde im weißrussischen Minsk geboren und lebt seit 16 Jahren in Neuss. Nach dem Abitur am Marienberg-Gymnasium studierte sie Malerei und Mathematik in Köln. Bereits während ihrer Schul- und Studienzeiten hat sie an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen. Die Bilder im Kunstraum stammen aus den vergangenen zwei Jahren. Gemalt wurden sie ausschließlich mit Eitempera.

"Die Eigenschaften dieser Farben erlauben sowohl einen lasierend durchscheinenden Farbauftrag als auch einen deckenden Auftrag", sagt die Wahl-Neusserin. Die mehrschichtige Malerei, wobei die unten liegenden Farbschichten durchscheinen, ist typisch für sie. Die Ausstellung im Kunstraum hat die Malerin ihrer 2015 verstorbenen Großmutter gewidmet, sie auf einigen Bildern auch in Szene gesetzt.

Auf den ersten Blick sieht man Menschen, Kühe und Ziegen, das Umfeld ist mal mehr, mal weniger zu erkennen. Mascha Malzewa zeigt aber noch mehr: So geht es unter anderem um den Kontakt von Jung und Alt. Wer die Bilder genau betrachtet, erkennt, dass ältere Menschen sich im jüngere kümmern, dass dann die einst Gebenden im Alter zu jenen werden, die selber auf Hilfe angewiesen sind - ein gesellschaftspolitischer Idealzustand also.

Die Augen der Kühe faszinieren die Künstlerin ganz besonders, weil sie extrem ausdrucksstark seien und etwas Friedliches, Liebes ausstrahlten. "Augen sind der Spiegel der Seele", sagte denn auch Klaus Richter von der Alten Post in seiner Einführungsrede. Mascha Malzewa malt nicht einfach nur ein Fleckenvieh, sie bannt auch Paradoxien auf die Leinwand: "Die Tiere sind lieb und friedlich und werden gezüchtet, damit wir sie aufessen, ihr Fell zu Leder verarbeiten und ihre Milch trinken", erklärt sie.

Mit den klassischen Niederrhein-Idyllen haben die Bilder nichts gemein. Sie beinhalten mitunter eine große Portion Mystik - das gilt insbesondere für "Dämmerung", auf dem sich eine alte Frau ein Boot mit drei Ziegen teilt. Das Motiv erinnert an die Arche Noah, aber auch an die Überfahrt in eine andere Dimension.

Info Deutsche Straße 2, bis 31. Januar, di bis so, 17 bis 19 Uhr, nach Vereinbarung unter 0176 69761415

Quelle: NGZ
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