| 00.00 Uhr

Neuss
Gemeinde sammelt für die Fenster von St. Barbara

Neuss. Bei einem von der Kantorin organisierten Benefizkonzert kamen für den guten Zweck rund 400 Euro zusammen. Von Christoph Kleinau

St. Barbara hat Hilfe nötig. An der Kirche, die dem ehemaligen "Schlachthofviertel" ihren Namen gab, sind einige der 60 Jahre alten Fenster aus der Werkstatt des Glaskünstlers Paul Weigmann ein Sanierungsfall geworden. Vor allem auf der West- und Nordseite, wie Monsignore Wilfried Korfmacher erklärt, hat vor über zwei Jahren Pfingststurm Ela die Schutzverglasung beschädigt. Hilfe tut Not - und die kommt aus der Gemeinde selbst.

Tatiana Ratobylskaja, ehrenamtliche Organistin an St. Barbara, hat das Heft des Handelns in die Hand genommen und zu einem Benefiz-Konzert für die Fenster eingeladen. Die "kleine, aber treue Gemeinde", wie Oberpfarrer Guido Assmann betont, honorierte dieses Engagement, das auch ihn aufrichtig freut. Gut 400 Euro kamen bei dem Konzert Anfang des Monats zusammen, die vorerst - zweckgebunden - auf das Kirchenkonto eingezahlt wurden.

"Wir müssen nicht sehr dringlich handeln", sagt Assmann fast beschwichtigend. Die Fehlstellen an den Glasmosaiken in den 22 buntverglasten Fenstern würden nicht auf den ersten Blick auffallen. Noch am ehesten würden die Schäden am Aufgang zur Orgelbühne über dem Haupteingang zu sehen sein - Ratobylskajas Weg zur Arbeit.

Die Fenster von Paul Weigmann entstanden im Jahr 1955 und 1956 berichtet die Kantorin. Sie kamen demnach in der Zeit in das Gotteshaus an der Blücherstraße, als der Kirche auch der von Architekt W. Dickmann entworfene Glockenturm angefügt wurde. Für diesen hatte die Gemeinde kein Geld gehabt, als sie 1932 den Grundstein für die Barbarakirche legte.

1996 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Eine selbstständige Gemeinde war St. Barbara da schon nicht mehr. 2004 wurde sie der Mariengemeinde angegliedert und Pfarrer Wilfried Korfmacher für die Seelsorge dort verantwortlich. Später wurden beide Kirchengemeinden Teil des Seelsorgebezirkes Neuss-Mitte. "Die Zahl der Katholiken rund um St. Barbara", beschreibt Monsignore Assmann als heute leitender Pfarrer die Lage, "ist inzwischen recht gering." Die Zahl der dort gefeierten Gottesdienste daher auch.

Einen Sonderstatus genoss St. Barbara bereits, als sie 1932 in das damals schon sozial heterogene Quartier gesetzt wurde und eine 1924 errichtete Notkirche überflüssig machte. In diesem Viertel, das eingeengt zwischen Hafen und den Dämmen der Fernbahn entstanden war, lebten vor allem Eisenbahner und Arbeiter, die nicht zuletzt im 1905 erbauten Schlachthof ihr Geld verdienten. St. Barbara war der erste Sakral-Neubau seit der Weihe der Dreikönigenkirche im Jahr 1911 und der letzte vor dem Weltkrieg.

Entsprechend begründete die Stadt als Untere Denkmalbehörde auch die Unterschutzstellung im Jahr 1996. St. Barbara sei "bedeutend für die Architekturgeschichte des katholischen Kirchenbaus der 1930er Jahre". Sie stehe mit ihrer blockhaften Gestaltung und dem westwerk-ähnlichen Portalbau in der Tradition eines 1919 von dem Kirchenbaumeister Dominikus Böhm entwickelten Bautyps.

Quelle: NGZ
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Gemeinde sammelt für die Fenster von St. Barbara


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.