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Prozess in Düsseldorf
Gericht spricht mit "Brillen-Gangstern" hinter verschlossenen Türen

Prozess in Düsseldorf: Gericht spricht mit "Brillen-Gangstern" hinter verschlossenen Türen
Das Käppi brachte die Ermittler auf die Spur der Täter. FOTO: Polizei
Düsseldorf. In Düsseldorf hat am Dienstag der Prozess gegen die sogenannten Brillengangster begonnen. Nach dem Auftakt lud das Gericht die Beteiligten zu einem Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen, bei dem über eine mögliche Strafe diskutiert werden sollte. 

Die mutmaßlichen Bankräuber der sogenannten Brillen-Bande stehen in Düsseldorf wegen einer bundesweiten Serie von 19 Banküberfällen vor Gericht. Nach dem Berginn des Prozesses am Dienstag sprach das Gericht mit den Beteiligten hinter verschlossenen Türen. Dabei sollte über eine mögliche Strafe diskutiert werden. Es sei aber keine Absprache getroffen worden, sagte eine Gerichtssprecherin. 

Angeklagte sind vorbestraft

"Brillengangster": Pressekonferenz in Neuss FOTO: Berns, Lothar

Die drei Angeklagten im Alter von 33, 40 und 43 Jahren sind bereits vorbestraft.  Sie sollen Banken und Sparkassen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und im Saarland heimgesucht haben. Wegen ihrer auffälligen Brillen und Perücken war die Bande zu ihrem Namen gekommen.

Zwei von ihnen hatten nach der Festnahme Geständnisse abgelegt und dabei den Dritten als Drahtzieher und Anstifter dargestellt. Die Angeklagten kommen aus Mönchengladbach und dem benachbarten Wegberg. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Ein aufmerksamer Handwerker hatte die Sonderkommission "Brille" im Frühjahr 2015 auf die richtige Spur geführt. Er fand am Fluchtweg der Gangster nach einem Coup in Mönchengladbach auf der Ladefläche seines Lastwagens eine Mütze mit der Aufschrift "S.W.A.T.", wie sie bei den Überfällen zur Tarnung verwendet wurde - und an ihr klebte ein Haar mit der entscheidenden DNA-Spur. Sie führte die Ermittler zu einem vorbestraften Bankräuber.

Der 43-Jährige aus Mönchengladbach hat bereits wegen einer älteren Überfallserie mehrere Jahre im Gefängnis verbracht. Zunächst hatten die Ermittler einen Einzeltäter hinter der Serie vermutet und nach "Deutschlands fleißigstem Bankräuber" gesucht.

Das Vorgehen war immer das Gleiche: Einer der Männer betrat die Filiale, stellte sich ruhig in die Warteschlange und beging den Überfall dann so leise und unauffällig, dass meistens weder die Kunden noch die übrigen Angestellten der Bankfiliale etwas mitbekamen.

Der Takt der Überfälle hatte sich dabei deutlich erhöht, zuletzt soll die Bande sogar zwei an einem Tag begangen haben. Dabei hinterließen die Täter regelmäßig so gut wie keine verwertbaren Spuren. In einer Wohnung der Verdächtigen fand die Polizei Schreckschusswaffen und Bargeld, das von einer Farbbombe eingefärbt war. Insgesamt soll die Bande 111.000 Euro erbeutet haben. Das Gericht hat für den Prozess bis Ende April 26 Verhandlungstage angesetzt.

Sonderkommission "Brille"

Weil mit zwei Überfällen ein Schwerpunkt des Brillengangsters im Rhein-Kreis vermutet wurde, wurde bei der Kripo Neuss die Sonderkommission "Brille" mit fünf Spezialisten für Raub gebildet.

Im Rheinland wurden überfallen: Sparkassenfiliale Neuss-Erfttal (17. Dezember 2014); Sparkasse Rommerskirchen (19. Dezember,); Sparkasse Nettetal-Schaag (19. Januar); Volksbank Willich (21. Januar); Sparkasse Mönchengladbach-Hockstein (22. Januar); Kreissparkasse Hückelhoven (14. März); Sparkasse Viersen (8. April); Sparkasse Mönchengladbach-Odenkirchen (8. April).

 

(url/lnw)
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