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Neuss
Geschichte einer Pfingstmalerei

Neuss: Geschichte einer Pfingstmalerei
Die Pfarrkirche von Heilig Geist in Weißenberg FOTO: woi
Neuss. Sonntag wird der Pfingstgottesdienst in der Kirche Heilig Geist gefeiert. Über dem Altar hängt ein Kunstwerk des Künstlers Georg Ettl – eine Pfingstdarstellung. Aussage des Kunstwerks: "Jeder ist geladen, keiner ausgestoßen." Von Thilo Zimmermann

An einen Ausspruch des Künstlers kann sich Renate Hüttges noch genau erinnern. "Hier sollen alle gerettet werden", hat Professor Georg Ettl gesagt, als er dabei war, die katholische Kirche Heilig Geist an der Neusser Weyhe auszumalen. Seit der Fertigstellung 1999 bietet Renate Hüttges Führungen durch das Gesamtkunstwerk an.

Dabei zeigt sie gern auf die Abbildung eines Juden, eines Moslems und einer afrikanischen Christin, die gleich unter der Pfingstdarstellung mit den Tauben als Symbol des Heiligen Geistes zu sehen sind. "Jeder ist geladen, niemand ist ausgestoßen", so interpretiert sie die Aussage des Kunstwerks über dem Altar. An ihm wird Sonntag ab 9.30 Uhr der Pfingstgottesdienst zum Patronatstag der Gemeinde Heilig Geist gefeiert. "Diese Kirche ist unser Zuhause. Wir sind sehr stolz auf Georg Ettls Kunst. Er hat gezeigt, dass auch moderne Künstler die Bibel darstellen können", sagt Renate Hüttges.

Mehrheit reagiert positiv

Durchschnittlich drei Führungen im Monat leitet sie durch das im Erzbistum Köln einzigartige Gotteshaus. "Es sind meist Gruppen kirchlicher Art, aber auch der Lions Club kommt, das Büro mit seinen Angestellten oder die Festgesellschaft vor einer Geburtstagsfeier", sagt sie. Anfragen von Schulklassen, die die Heilig-Geist-Kunst gezeigt und erklärt bekommen wollen, liegen außerdem vor. "Es gibt einige skeptische Leute, die sagen, dass sie nichts damit abfangen können, aber die breite Mehrheit reagiert sehr positiv auf die Ausgestaltung unserer Kirche", berichtet Hüttges.

Die Expertin weiß: "Diese Kirche braucht Führung. Die Leute hören wirklich zu, und mich motiviert es, zu merken, dass sie etwas spüren, wenn sie hier umhergehen." Die moderne Bilderbibel an den Wänden erschließt sich oft eben erst, wenn die dazu gehörigen Texte aus der Heiligen Schrift ausgelegt werden.

Hüttges Lieblingsdarstellung? "Die Apokalypse an der Rückwand! Sie war nach der Taufkapelle als erstes fertig, und wenn ich als Lektorin am Ambo stand und den Sternenhimmel über der Orgel betrachtete, da wusste ich: Hier entsteht etwas richtig Gutes." Das fand auch der kunstsinnige ehemalige Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann. "Die sparsam verwandte Farbigkeit und das ausgewogene Farbflächengefüge beinhalten eine leise Poesie, die sich dem Betrachter, der sich Zeit nimmt, beglückend erschließt. Besucher dieser Kirche werden immer wieder neue Facetten entdecken", schrieb der Würdenträger in einem Faltblatt über die Ettl-Kunst. Die Pfingstdarstellung am Altar kommt darin ebenso zur Sprache wie das Bild der Apokalypse an der Rückwand und die Taufkapelle mit den Labyrinthen verschiedener Kulturkreise.

Während die rechte Seitenwand die Schöpfung, Zerstörung und Rettung der physischen Welt thematisiert, zeigt die linke – ausgehend vom Tanz um das goldene Kalb - die Heilung und Rettung des Menschen und seiner Seele. Das ist nicht nur zu Pfingsten einen Besuch wert.

Quelle: NGZ
 
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