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Neuss
Goldschmiedin lehrt ihre Kunst in China

Neuss: Goldschmiedin lehrt ihre Kunst in China
Beate Düsterberg ist Goldschmiedemeisterin und hat ihr Atelier auf Schloss Reuschenberg. Dort wohnt sie auch mit ihrem Mann, ist vor rund drei Jahren von Langst-Kierst nach Gnadental umgezogen. FOTO: Georg Salzburg
Neuss. Beate Düsterberg war als Dozentin Gast der Universität in der Hafenstadt Tianjian in der Nähe von Peking. Von Helga Bittner

Das Angebot war schmeichelhaft und reizvoll, dennoch hatte Beate Düsterberg Vorbehalte. Zwei Wochen in China als Dozentin an der Uni - ob das wirklich etwas für sie ist? "Ich war noch nie in China", sagt die Goldschmiedin, die auf Schloss Reuschenberg lebt und arbeitet. "Ich hatte wirklich Vorurteile gegen das Land und seine Bewohner." Sie ist dennoch gereist - und hellauf begeistert zurückgekehrt. "Ich habe so viel gesehen, so viele nette Menschen kennengelernt und bin überall so herzlich aufgenommen worden", berichtet sie.

Bei einem Besuch im März dieses Jahres hatte der Direktor der "Academy of Fine Arts" an der Universität im chinesischen Tianjian, Deng Guoyuan, sie zu einem Arbeitsbesuch nach China eingeladen. Die Werke der Goldschmiedin hatten ihn so begeistert, dass er sie bat, ihre Kenntnisse an seine Studentinnen in der gerade eröffneten Goldschmiedeabteilung weiterzugeben.

In Tianjian wohnte Beate Düsterberg zwar in einem Hotel, war aber eigentlich ständig unterwegs: Kaum einmal gab es einen Abend ohne Einladung zu einem Essen, nachmittags besuchte sie häufig Künstler in ihren Ateliers - und kehrte auch mit der ein oder anderen Idee für eine Schau auf Schloss Reuschenberg nach Neuss zurück.

Meistens war sie mit der gebürtigen Deutschen Julia Lohmann zusammen. Diese unterrichtet seit 20 Jahren an der Academy und hat auch den Kontakt zwischen Guoyuan und Düsterberg vermittelt. Sicherheitshalber, so erzählt es Düsterberg heute lachend, habe der Uni-Professor sich bei seinem Besuch im Atelier der Goldschmiedin aber vergewissert: Sie könne doch wohl unterrichten? "Und ob!", lautete damals ihre Antwort, schließlich ist Düsterbergs Goldschmiede-Atelier auch Ausbildungsstätte (gerade mit freier Stelle).

Gleichwohl hat sie sich genau überlegt, was sie mit den Studentinnen machen kann. Schmuck in einer Technik, wie sie schon die Etrusker kannten, schien ihr vermittelbar und praktikabel zu sein.

Allerdings ahnte die Goldschmiedin, dass die Materiallage nicht rosig sein würde. Also packte sie neben allerhand Werkzeug aus ihrem Atelier auch reichlich Silberdraht ein. Zweifellos eine richtige Entscheidung, "denn die Werkstatt war spartanisch eingerichtet, und Geld für Silber oder andere Edelmetalle haben die Studentinnen nicht". Ob Ohrhänger, Fingerring, Kette oder Armband - entworfen wurde der Schmuck von den Studentinnen. Düsterberg zeigte ihnen die Technik für die Herstellung.

So akribisch, wie die 65-Jährige vor der Reise ihren Unterricht geplant hat, so exakt hat sie sich auch über Gewohnheiten und Bräuche informiert. So wusste sie, dass sie ihre Visitenkarte immer mit beiden Händen überreichen muss. Und sie scheute sich auch nicht, die gekochten Geflügelfüße zumindest zu probieren. Auch wenn letztgenanntes keinen Eingang in ihren Alltag findet - sie denkt jetzt schon darüber nach, was sie im nächsten Jahr lehren will. Denn die Einladung für 2016 wurde schon ausgesprochen.

Quelle: NGZ
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