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Neuss
Goldsucher in Neuss

Neuss: Goldsucher in Neuss
Im Clemens-Sels-Museum darf nicht nur Carl Pause im Buddelkasten die Aufregung der einstigen Goldsucher in Grimlinghausen nachempfinden. FOTO: Woi
Neuss. Vor mehr als 300 Jahren sorgte ein Goldfund unweit der Ruine der römischen Brücke an der Erft in Grimlinghausen für Aufregung. Denn "Ausländer" kamen über den Rhein, um sich das eine oder andere Goldstück zu sichern. Von Helga Bittner

Das Clemens-Sels-Museum besitzt einen Goldschatz, von dem kein Mensch genau weiß, woher er kommt, geschweige denn, wer ihn einst besessen hat. Denn alt ist er, muss um zwölf Jahre vor Christus vergraben worden sein. Vermutlich in der Hoffnung, ihn später wieder wiederfinden und ausgraben zu können.

Dafür hatte sich der einstige Besitzer einen Platz an einer Wegführung vom Hinterland des Laufs der Erft und ihrer Nebengewässer zum Rhein ausgesucht, aber entweder nicht wiedergefunden oder schlicht nicht mehr die Möglichkeit gehabt, sich den Goldschatz wiederzuholen. Ein Umstand, der rund 1600 Jahre später zu einem kleinen Goldrausch in Grimlinghausen führte.

Grenzstreitigkeiten

Vermutlich beim "Derbrucken", beim Steine brechen in übriggebliebenen Mauerresten aus der Römerzeit, ist jemand auf den vergrabenen Schatz gestoßen – und das sprach sich schnell rum.

Bis ins Ausland, wozu damals durchaus der Nachbar Düsseldorf zählte oder auch Köln, so dass sich der Neusser Magistrat gezwungen sah, zu reagieren. Schließlich reklamierte man den Schatz für die eigene Stadt, auch wenn es damals gar nicht so einfach war, die Grenze zum Nachbarn genau zu ziehen.

"Es gab zwar Grenzsteine", erzählt Carl Pause, der Archäologe des Clemens-Sels–Museums, "aber dazwischen ging man mit einer Gruppe von alten und jungen Menschen eine Linie ab, verteilte ab und an Backpfeifen an die Jüngeren oder einen Apfel, damit die sich beim nächsten Grenzgang wieder daran erinnerten."

Limittengänge hießen diese Begehungen, die Grenzstreitigkeiten indes nicht völlig verhindern konnten. Der Goldschatz, eine heute unbekannte Anzahl von Münzen – lag für die Neusser eindeutig auf ihrem Stadtgebiet, und so wurden die Ratsherren in ihrer Sitzung am 20. Mai 1655 über einen unerhörten Vorfall informiert.

"PfaltzNeuwenburgische Soldaten vnd Bergische leuth, dießeits der brucken zu Grimlinghaußen" hatten unweit der Ruine der römischen Erftbrücke auf Neusser Gebiet nach Gold geschürft, nachdem Neusser Bürger dort in den beiden Tagen zuvor Goldstücke entdeckt hatten. Noch am selben Abend machte sich Bürgermeister Jordans mitsamt Stadtschreiber und Stadtdiener auf, um dem Treiben ein Ende zu bereiten. Die "außwendigen" bekamen eine Abmahnung und wurden vertrieben.

Die Geschichte des Goldschatzes ist damit indes noch nicht zu Ende, denn Carl Pause fand im Stadtarchiv noch weitere Hinweise in den alten Akten. Demnach befasste sich der Rat am 15. Juni erneut mit den Goldfunden und wurde darüber informiert, dass die Stadt sich die Rechte gesichert hatte, indem sie kurzerhand das Grundstück aufkaufte ...

Die Kunde vom Goldrausch in Grimlinghausen muss dann auch bis nach Köln gedrungen sein, denn der Erzbischof meldete sein Interesse an den Fundstücken an. Dass "Ihre Churfurstliche Durchlaucht deren gern eins oder zweij sehen vnd haben mochte" wurde im Protokoll der nächsten Ratssitzung – der dritten zum Thema – ebenso vermerkt wie der Beschluss der Ratsherren, "deren etwan vier" zu nehmen und dem Erzbischof "untertänigst zu präsentieren". Seitdem gibt es keine Spur mehr von ihnen ...

Quelle: NGZ
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