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Neuss
Groß-Logistiker auf 90 Rhein-Kilometern

Neuss: Groß-Logistiker auf 90 Rhein-Kilometern
Neuss war seit jeher eine Hafenstadt. Heute ist der Hafen eine Logistikdrehscheibe im Industrie-Kernland NRW. FOTO: A. Woitschütze (2), L. Berns
Neuss. Die Neuss-Düsseldorfer Häfen stiegen im Verbund mit dem Partner Köln zu einem der größten Binnenhäfen Europas auf. Von Christoph Kleinau

Das Firmengeflecht, in das die Neuss-Düsseldorfer Häfen (NDH) inzwischen eingebunden sind, erfassen auch Experten nicht mit einem Blick. Doch Geschäftsführer Rainer Schäfer kann es kurz machen: Zwischen Köln-Godorf im Süden und Krefeld im Norden gibt es auf 90 Kilometern Länge am Rhein keinen anderen Hafendienstleister mehr als die NDH und die "Häfen und Güterverkehr Köln AG" (HGK). Beide gründeten vor drei Jahren die RheinCargo, einen der größten Binnenhafenbetreiber Europas mit sieben Häfen und einem wasserseitigen Jahres-Güterumschlag von 18,4 Millionen Tonnen.

Vor 15 Jahren war der Neusser Hafen noch ein Amt der Stadt und schwer in der Defensive. "Die Gründung der NDH im Jahr 2003 war die richtige Antwort auf die Wettbewerbssituation am Niederrhein", sagt Hafendirektor Ulrich Gross, der mit seinem Kollegen Schäfer die Häfen wirtschaftlich erfolgreich gemacht hat. "Die NDH haben in keinem Jahr Verlust gemacht", sagt Schäfer und ergänzt: "Wenn wir nicht viel verkehrt machen, werden die NDH weiter Gewinne abliefern."

Hafen ist seit eh und je "das Anpacken von Kisten und Kästen", sagt NDH-Geschäftsführer Rainer Schäfer. Nur heute ist alles ein paar Nummern größer. FOTO: Berns, Lothar (lber)

2001 hatte der Neusser Hafen mit den Kölner Kollegen Kooperationsgespräche geführt, um sich aus der Sandwich-Position zwischen den größeren Häfen in Duisburg und Köln zu befreien. "Damals wäre Neuss als Juniorpartner unter die Räder gekommen", sagt Schäfer überzeugt. Erst als NDH, die mit einer Beteiligung am Hafen Krefeld (Schäfer: "Der war völlig vernachlässigt, ist aber kein Verlustbringer mehr.") ihre "Außengrenze" abgesichert hatte, konnte auf Augenhöhe mit der HGK verhandelt werden.

So entstand die RheinCargo, die erst in jüngster jüngster Vergangenheit einen Coup landen konnte: Durch Übernahme aller Anteile an der Neska-Gruppe durch die HGK kam nicht nur das Containerterminal UCT Stürzelberg zu 100 Prozent in den Logistik-Firmenverbund. Vielmehr hat die RheinCargo so auch beim großen Konkurrenten in Duisburg-Ruhrort mit zwei Container-Terminals und einer konventionellen Krananlage einen Fuß in der Tür. "Das wird den Kollegen dort nicht gefallen", sagt Schäfer überzeugt.

2003 wurde die Marke "Neuss Düsseldorfer Häfen" etabliert und hat sich am Markt durchsetzen können. Verluste hat das Unternehmen noch nie gemacht. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)

In ihrem Verbund sind die Neuss Düsseldorfer Häfen als Logistikdrehscheibe im industriellen Kernland von NRW auf Erfolgs- und Wachstumskurs. Unangreifbar sind sie nicht. So beobachtet man vom Hafen-Hauptquartier an der Hammer Landstraße nicht ohne Sorge die Entstehung von neuen Logistikzentren in Venlo und Lüttich, das als eine Art Vorhafen für den Seehafen in Antwerpen ausgebaut wird. "Die regieren mächtig in unsere Märkte herein", sagt Gross. "Deshalb ist es wichtig, die Kräfte zu bündeln, um ein leistungsfähiger Partner für Industrie und Handel zu sein."

An der Infrastruktur mit Hafen-, Kran- und Eisenbahnanlagen wird weiter gearbeitet. Vorrang hat dabei die Weiterentwicklung des Hafens in Düsseldorf-Reisholz. "Das ist die letzte Möglichkeit, sich nennenswert rechtsrheinisch zu erweitern", sagt Schäfer mit Blick auf das Bergische Land als Hinterland an der Rheinschiene. Das Düsseldorfer Container-Terminal wird erweitert und auf Neusser Seite die Investition in die Anlagen der NDH-Tochter "Neuss Trimodal GmbH" abgeschlossen. Auch die Firma Contargo, die das Maersk-Terminal in Neuss übernommen hat, will diese Anlagen weiter ausbauen.

Hafen, sagt Schäfer, war und bleibt "das Anpacken von Kisten und Kästen". Nur ist inzwischen alles ein paar Nummern größer.

Quelle: NGZ
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