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Neuss
Großartiger Abend in Performance Lounge

Neuss: Großartiger Abend in Performance Lounge
"Unberechenbar": Künstler Taka Kagitomi (l.). FOTO: A. Tinter
Neuss. Im Kulturforum Alte Post hatten 14 Künstler einen begeisternden dreistündigen Parcours aufgebaut. Von Claus Clemens

Mit einem bunten Flyer hatten die Macher der "Performance Lounge" für Samstagabend in den Veranstaltungssaal der Alten Post eingeladen. Das war zumindest örtlich eine gewollte Untertreibung. Denn die zahlreichen Gäste sollten bei einem dreistündigen Parcours praktisch alle Räume des Kulturforums an der Neustraße erleben. Ob mit Babytrageschärpe, Kinderwagen oder Rollator, die Karawane der Zuschauer ließ sich begeistert anstecken von den "Pieces" der 14 Künstler. Dabei war der Hausherr und Kurator Klaus Richter noch kurz vor Beginn des Abends keineswegs sicher, ob der geplante Ablauf gelingen würde. "Der Taka ist unberechenbar, der will allein schon drei Stunden performen", stöhnte er lächelnd. Taka Kagitomi, ein in Lierenfeld lebender Künstler, hielt sich dann doch an die Vorgaben. Zehn Minuten pro "Act", so sollte die Sache in halbwegs geordneten Bahnen bleiben.

Ordnung indes ist natürlich nicht gerade das stilbildende Kriterium für einen Performance-Künstler. Wolfgang Schäfer hatte während der Vorbereitungswoche einfach die Wand im Eingangsbereich mit seiner Kreativität übermalt. "Das war eingeplant", meinte Klaus Richter, "und wir dürfen das später überstreichen." Es gab viel zu sehen bei der Lounge "Von Sinnen", sehr viel sogar. Vor Schäfers Wandmalerei hatte Konstantin Lange eine Holzplatte postiert. Dort quält sich ein Hund mit vielen Gürteln herum, aus denen er eigentlich gemacht ist. Eine Frauenfigur schaut zu, ein blauer Vogel sieht weg. Nachdem Taka Kagitomi in der Künstlergarderobe seine Lärminstallation klickern, scheppern, knarzen ließ und den Gästen Wein auf einem übergroßen Holzlöffel angeboten hatte, kam tatsächlich auch der Veranstaltungssaal zu seinem Recht. Berthold Mohr, Ko-Kurator der Lounge, entlockte einem Flügel Laute, die mehr mit der Mechanik des Instruments als mit dessen Musik zu tun hatten.

Alle Künstler des Abends, auch der Chilene Misael López, kommen von irgendwo aus der Region. Die längste Anreise hatte die Polin Angelika Fojtuch aus Danzig, die aber privat längst mit dem Rheinland verbandelt ist. Man zeigte Tanz und Gesang, mal schrill mal besinnlich, aber immer faszinierend. Thomas Bernstein trat als Kapuzenmönch mit einer Rollmatte auf und verübte auf ihr eine Art Askese-Gymnastik. Die zeigte prompt Wirkung an seiner männlichsten Stelle. Als er sich dann mit einem Beil am Spalten von Holzscheiten versuchte, musste er sich dem Urteil eines kleinen Jungen stellen: "Das war aber jetzt nicht gelungen". Für den gesamten Performance-Abend aber lautet das Urteil: einfach großartig.

Quelle: NGZ
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