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Neuss
Große Kulisse fürs erste Sommerkonzert

Neuss: Große Kulisse fürs erste Sommerkonzert
FOTO: Berns Lothar
Neuss. Der Botanische Garten war Schauplatz eines ersten Open-Air-Konzerts. Der Förderverein will dort eine Musikreihe etablieren, gleich die erste Veranstaltung mit dem Ensemble Quirin zog rund 180 Zuhörer an. Von Helga Bittner und Hansgeorg Marzinkowski

Das erste Sommerkonzert im Botanischen Garten - als Versuch gedacht - übertraf alle Erwartungen des Veranstalters, die Freunde und Förderer des Botanischen Gartens, Mit 50 bis 100 Zuhörern hatten sie gerechnet, letztendlich nutzten 180 zahlende Gäste auch das schöne Wetter, um diese Premiere in dem attraktiven Park zu erleben.

Dabei war es das erste herausragende Erlebnis, zu beobachten, mit welch freundlichen Gelassenheit das Team um die Vereinsvorsitzende Renate Tillmanns den unerwarteten Andrang managte. Aus Gewächshäusern wurden Sitzgelegenheiten herbeigeschafft, einige Besucher erlebten ihr erstes Konzert im Liegestuhl, und als nahe Anwohner zu Hause einige Campingstühle holten, hatte jeder einen Sitzplatz.

Die Plätze unmittelbar vor dem Podest mit den Musikern im Botanischen Garten waren schnell weg. Die Zuhörer verteilten sich ringsherum - bis ins Gebüsch. FOTO: Frank Strobl

Die Premiere bot anspruchsvolle Musik, denn mit dem "Ensemble Quirin" waren ausnahmslos Mitglieder der Deutschen Kammerakademie Neuss (DKN) zu Gast. Fenella Humphreys und Salma Sadek (Violine), Danka Nikolic und Andres Mehne (Bratsche) sowie Teemu Myöhänen (Violoncello) hatten ein kleines Podest vor dem 1949 erbauten Landhaus eingerichtet, was dem Streichquintett auch akustisch eine gute Kulisse bot. So störten der in den Abendstunden deutlich zunehmende Flugverkehr und die Turmuhr der nahen Dreikönigenkirche nicht wesentlich.

Mit der kunstvollen "Fantasia upon one note" des größten englischen Barockkomponisten Henry Purcell begann das Abendkonzert. Wenn Wolfgang Amadeus Mozart gelegentlich als "Vollender des Barock" bezeichnet wird, dann betrifft dies vor allem seine künstlerische Auseinandersetzung mit seinem "Ahnherrn" Johann Sebastian Bach. Das dokumentieren besonders gut die unter KV 404a entstandenen Bearbeitungen von Bachschen Fugen für Streichtrio, denen Mozart selbst geschriebene Adagio-Sätze als "Präludium" voranstellte.

Das Ensemble spielte die Fuge BWV 853 aus dem "Wohltemperierten Klavier" mit dem entsprechenden "Präludium in es-Moll" in feiner lyrischer Intensität. Die kontrapunktisch hoch anspruchsvolle Kunstfertigkeit etwa der Fuge passte aber nicht so recht in die entspannte Atmosphäre eines Open-Air-Konzerts.

Das betraf auch das freundliche, nur einsätzige "Streichtrio in B-Dur" von Franz Schubert. Danach wirkte Mozarts "Streichquintett in g-Moll" geradezu wie "groovende" Klassik, trotz der zunächst düster verhangenen Emotionalität spielte Fenella Humphreys wie entfesselt auf. Die DKN-Konzertmeisterin gestaltete den langsamen Satz im Ensemble zum Nachtgebet, das abschließende Rondo strahlt endgültig in Dur und stimmte die große Zuhörerschaft tänzerisch auf einen heiteren Abend ein.

Noch Tage später ist Renate Tillmanns vom Förderverein des Botanischen Gartens ganz überwältigt von dem Erfolg. "180 Zuhörer! Das war schon an der Grenze", sagt sie lachend, "mehr hätten es auf keinen Fall sein dürfen." Natürlich weiß auch sie, dass das Hörvergnügen bei so vielen Menschen an den Randbereichen nicht optimal war, aber denoch: "Es war wunderschön!" Zumal da auch das Wetter noch mitgespielt hat, was viele auch nach dem Konzert noch zum Bleiben verlockte.

Die große Resonanz auf das erste Sommerkonzert des Fördervereins ist für sie auf jeden Fall Ansporn, weiterzumachen. "Die Bitte wurde gleich mehrfach geäußert", sagt sie zufrieden, und schon heute ist klar, dass es eine Fortsetzung geben wird. An einem Termin in den Sommerferien möchte sie festhalten, ob es der gleiche wie jetzt - der zweite Feriensonntag - sein wird, lässt sie allerdings noch offen. "Da müssen wir auch auf den Neusser Veranstaltungskalender schauen", sagt sie, hat aber auch festgestellt, dass die Zeit (18 Uhr) und der Wochentag (ein Sonntag) gut passen. Ebenfalls noch offen ist die Art der Musik: "Wir können uns auch Jazz oder Musik für ganz junge Leute vorstellen", sagt sie, will aber auf jeden Fall an der Zusammenarbeit mit Martin Jakubeit, der die Deutsche Kammerakademie und das Ensemble Quirin managt, festhalten: "Mit ihm traf eine Idee auf jemanden, der auf diese Idee gewartet hat", sagt sie amüsiert und ergänzt: "Wir haben schon einen Gesprächstermin im nächsten Jahr verabredet."

Genaue Angaben über die Einnahmen liegen Tillmanns noch nicht vor, die Kosten des Vereins seien sicher zu "100 Prozent" gedeckt, sagt sie und freut sich zudem, dass bei dem Konzert auch viele Spenden reingekommen sind. Gespendet hat auch der Verein - 18 Freikarten für Flüchtlinge, die auch alle abgeholt wurden, wie sie erfahren hat. Ob und wie sich die Flüchtlinge unter den 180 Zuhörern verteilt haben, weiß sie nicht. War aber auch gar nicht Sinn der Sache: "Wir wollten einfach nur das Interesse an dem Konzert wecken und hoffen, dass es uns gelungen ist."

Quelle: NGZ
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