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Neuss
GroßerJubel beim Debüt

Neuss. Die New Zealand Dance Company aus Auckland absolvierte ihr erstes Gastspiel in Deutschland bei den Tanzwochen in Neuss. Von Thomas Hag

Manchmal reichen ein paar Stichworte: Licht, Erleuchtung und Beleuchtung sowie Raum, Bild und Bewegung. So knapp und doch umfassend instruierte Shona McCullogh, künstlerische Leiterin der New Zealand Dance Company, ihre Choreographen für "Lumina". Herausgekommen sind drei Werke, die das Beste des zeitgenössischen Tanzes mit neuen, digitalen Ausdrucksformen verbinden, klassisch und modern zugleich. Den Anfang in der sehr gut besuchten Neusser Stadthalle machte Geography of Archipelago, eine ebenso kurze wie düstere Meditation von Stephen Shropshire, die wie eine Friedhofszene beginnt. Ein handgehaltener Scheinwerfer, düstere Gestalten und Glockenschläge. Mit einem Mal ist die Szenerie für eine Prozession geschaffen, ein Ritual, in dem nur perkussive Elemente und Beethovens Sonate Halt geben können.

Immer wieder bricht durch expressive Beinarbeit der drei Tänzer eine Ekstase hervor. Doch eigentlich ist man wie in einer Höhle gefangen, Licht und viel Schatten. Es sind die Mythen des Landes, die hier verhandelt werden, letzten Endes ist es auch der Kampf des Individuums, das in der gleichförmigen Globalisierung unterzugehen droht. Mit "In Transit" von Louise Potiki Bryant begeben sich die Akteure auf zeitgenössisches Terrain, lassen das Digitale neben dem Menschlichen stehen. Sechs große Leinwände stehen selbstbewusst vor, hinter und neben den Tänzern, im Hintergrund sieht man verschwommene Gestalten, mumienhaft, Vergangenes und Gegenwärtiges, vielleicht auch Zukünftiges vermischen sich. Duette erden die fließende Atmosphäre, nicht das letzte Mal, bei dem sich die Ensemblemitglieder als Künstler von hohem Rang erweisen.

Die New Zealand Dance Company gastierte zum ersten Mal bei den Internationalen Tanzwochen, und wenn eine Company vom anderen Ende der Welt kommt, ist man immer bestrebt, nach dem Besonderen, ja Exotischen Ausschau zu halten. Es gibt sie, die Rückgriffe auf das Traditionelle, auf die Maori-Kultur, auf das Rituelle, das einen Rückhalt bietet, aber die Erwartungen der Zuschauer werden stets gefordert, das Zusammenspiel von Körperlichkeit und modernsten Visualisierungen funktioniert, für den einen oder anderen vielleicht zu herausfordernd.

Besonders deutlich wird das bei Brouhaha (soviel wie "Tumult") von Malia Johnson, in dem die Tänzer sich gegen die digitale Flut behaupten müssen, in einem Meer von ab-strakten Mustern, die sie fast zu erdrücken scheinen. Aber mit schier physischer Power stemmen sich die Tänzer dagegen, sammeln Kraft, die sich in einer verblüffenden Szene entlädt. Wie Kraftsportler steigern sie sich zu unablässigen Situps, hüpfen wie beim Aerobic auf und ab, bis ihnen beinahe die Luft wegbleibt. Ihr schweres Atmen amüsiert, das Publikum amüsiert sich mit. Dann werden mit unglaublicher Leichtigkeit zwei Tänzerinnen auf die Schultern der anderen gerollt. Das Schwerelose macht die Anstrengung, die dahinter steckt, nahezu vergessen. Großen Jubel gab es für die New Zealand Dance Company am Ende des Abends. Ein ebenso verblüffender wie willkommener Besuch. Besonders schön: Das visuelle Design zeigte sich stets im Einklang mit der Choreographie, schien sie manches Mal fast zu verschlingen und wurde doch stets durch die Tänzer im Zaum gehalten, die in jedem Zwischenbereich das Recht auf menschliche Darstellung einforderten.

Quelle: NGZ
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