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Neuss
Grüne Welle – nur Theorie

Neuss: Grüne Welle – nur Theorie
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Neuss. Theoretisch können Autofahrer im Neusser Stadtgebiet auf mehreren Streckenabschnitten durchgehend über grüne Ampeln fahren. Praktisch funktioniert das selten – weil die Straßen schlichtweg zu sehr belastet sind. Von Julia Hagenacker

Einfach mal durchbrettern, mit dem Auto oder dem Motorrad mehrere Ampeln hinter sich lassen, ohne bei Rot auf die Bremse treten zu müssen – rein theoretisch ist das in Neuss tatsächlich möglich. Nicht überall, aber hier und da. Von der Anschlussstelle Reuschenberg bis zur Kreuzung Erprather Straße zum Beispiel. Oder von der Römerstraße ("Rangierbahnhof") bis zur Kreuzung Gladbacher Straße.

Grüne Welle, so nennt man die zeitlich abgestimmte Schaltung der Ampeln, die es Autofahrern ermöglicht, mehrere Kreuzungen zu überfahren, ohne anhalten zu müssen. "Beeinflusst", sagt Hans-Heinrich Rose vom Amt für Verkehrsplanung, "wird eine Grüne Welle durch verschiedene Faktoren". Die Weglänge zwischen den Kreuzungen und die Zeit, die benötigt wird, um diese zurückzulegen, ist entscheidend.

Die Verkehrsplaner legen eine bestimmte Geschwindigkeit fest und koordinieren danach die Grünphasen der Ampeln. 180 "Lichtzeichenanlagen" gibt es in Neuss, inklusive Fußgängerampeln. Ein Teil ist synchron geschaltet, vornehmlich, um den Verkehr in der Innenstadt zu entlasten, etwa auf dem Konrad-Adenauer-Ring.

Dass es sich dort wie anderswo in Wirklichkeit nicht problemlos auf der Grünen Welle surfen lässt, gibt auch Rose zu. "Es gibt eben Punkte, an denen die Durchfahrt unterbrochen wird – aus verschiedenen Gründen." Idealerweise sorgt die Grüne Welle dafür, dass der fließende Verkehr an keiner Ampel zum Stillstand kommt.

Das kann aber nur funktionieren, solange sich alle Autofahrer an die ausgerechnete "Idealgeschwindigkeit" halten. Oder sich hinter keiner roten Ampel eine Schlange bildet, die so lang ist, dass sie nicht mehr innerhalb einer Grünphase abgebaut werden kann. Wenn das der Fall ist, kommt der Verkehr unweigerlich ins Stocken. Auch Bahnübergänge oder Querverkehre torpedieren das Grüne-Welle-System.

Physiker haben herausgefunden, dass bereits bei einer mittleren Verkehrsdichte, wie sie in vielen Städten den ganzen Tag über herrscht, eine Synchronisation der Ampelphasen überhaupt keinen Unterschied zur Normalschaltung macht. Egal, wie die Ampeln aufeinander abstimmt sind – es entsteht immer das für den innerstädtischen Verkehr typische Stop-and-go-Muster.

Quelle: NGZ
 
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