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Neuss
Haftbefehl gegen mutmaßlichen Handydieb

Neuss. Der Mann soll einer Frau ihr Handy an einer Bushaltestelle entrissen haben. Er erschien nicht zum Prozessauftakt. Von Marc Pesch

Eigentlich hätte sich der junge Mann aus Syrien am Mittwoch vor dem Neusser Amtsgericht verantworten müssen. Er soll an der Bushaltestelle Augustinusplatz einer Frau ihr Handy entrissen haben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist er anschließend mit dem Mobiltelefon getürmt. Die Polizei konnte ihn wenig später in einer Asylbewerberunterkunft am Alexianerplatz ausfindig machen, das gestohlene Handy hatte er laut Ermittlungen noch bei sich. Zum Prozess erschien der Mann allerdings nicht .

"Nach unseren Erkenntnissen befindet er sich inzwischen in einer Flüchtlingsunterkunft in Kierspe im Sauerland", so der zuständige Amtsgerichtssprecher Kay Krüger, "die Ladung zum Prozess ist ihm auch zugestellt worden." Krüger geht davon aus, dass der Syrer inzwischen untergetaucht ist. "Er hat zwei Termine bei den Behörden in Kierspe verstreichen lassen, offenbar weiß derzeit niemand, wo er steckt." Die Staatsanwaltschaft reagierte darauf, indem sie einen Haftbefehl gegen den Tatverdächtigen erließ. Sobald er aufgegriffen wird, soll ihm in Neuss der Prozess gemacht werden.

Aus Gerichtskreisen heißt es, dass immer häufiger Verfahren gegen Flüchtlinge auf den Tisch kämen. Das berichtet zum Beispiel Richter Heiner Cöllen aus Neuss. Dabei handele es sich auch immer wieder um Auseinandersetzungen unter Asylbewerbern, die in entsprechenden Heimen untergebracht werden.

Sein Kollege Kay Krüger ist zurückhaltender. "Von einer Häufung kann ich nicht berichten. Ich hatte einige Strafverfahren, in denen es um Ladendiebstähle ging, auch Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz waren dabei. Schwerwiegende Delikte kamen zum Glück eigentlich nicht vor." Auch Polizeibehörden, NRW-Innenministerium und die Gewerkschaft Polizei weisen darauf hin, dass es keine überproportionale Kriminalität von Flüchtlingen gibt. Zahlen des Instituts für Kriminalwissenschaften der Uni Münster stützen dies. Demnach sind - ohne Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht - im vergangenen Jahr rund 38.000 Asylbewerber bei der Polizei geführt worden. Dies seien 1,9 Prozent an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen.

Die Ereignisse aus der Silvesternacht führen jedoch zu einer anderen öffentlichen Wahrnehmung. Auch vor dem Neusser Amtsgericht müssen sich demnächst mehrere junge Männer wegen Sexualdelikten verantworten. Einer von ihnen soll im Bereich der Aral-Tankstelle an der Bergheimer Straße zwei junge Schülerinnen sexuell attackiert haben, zwei anderen werden Übergriffe auf ein junges Mädchen in einer S-Bahn zur Last gelegt. Die Polizei Düsseldorf hatte zwei Flüchtlinge in der Silvesternacht nach einer Sex-Attacke auf Frauen festgenommen. Auch sie waren in einem Asylbewerberheim in Neuss untergebracht und sitzen inzwischen in Untersuchungshaft.

Quelle: NGZ
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