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Neuss
Hannelore Kraft zu Gast in Neuss

Neuss. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft kultiviert in Neuss ihren Ruf als anpackende, bodenständige Politikerin: "Was kostet der Kaffee? Und der Kartoffelsalat?", fragt Kraft, als sie das Netzwerk-Café der St. Augustinus-Behindertenhilfe für Menschen mit und ohne Behinderung besucht. Von Katrin Haas

"Kostet zwei Euro, mit Würstchen", antwortet der 75-jährige Engelbert Mauß sofort, der hier jeden Freitag die Kartoffeln schnibbelt. Die Bewohner erzählen ihr, dass sie immer gemeinsam Skat spielen. "Reiner, spielst du eigentlich Skat?", fragt sie den SPD-Bürgermeisterkandidaten, auf dessen Einladung sie in Neuss ist.

Zwischen Bücherregal und Klavier stellt Kraft vor allem Fragen, in forschem, aber freundlich-interessiertem Ton. Wenn Breuer zu fachsimpeln beginnt, stoppt sie ihn, indem sie die Cafe-Besucher nach ihrem Leben ausfragt. "Bevor ich in die Politik gegangen bin, hatte ich mit Behinderten nichts zu tun", erklärt Kraft den Mitarbeitern und Besuchern des Cafés. Sie erzählt dann Anekdoten, wie sie mit Menschen mit Behinderung in Kontakt gekommen ist, dann geht es ein Stockwerk höher: Zwei Menschen mit Behinderung zeigen ihr ihre betreuten Wohnungen. "Ich hab gerade die Fotos gesehen, ihr scheint viel Spaß zu haben", sagt sie, als die Bewohner ihr in das Nachbarschaftswohnzimmer folgen. Kraft sucht nicht die große Bühne, sondern besucht soziale Initiativen und verteilt Rosen auf dem Marktplatz. Über den SPD-Bürgermeisterkandidaten sagt sie: "Er hat einen klaren Plan, er ist jemand, der Menschen mitnimmt, kann Prozesse organisieren und wird diese Stadt nach vorne bringen." Im Gespräch mit unserer Redaktion bekräftigt Kraft die Landesunterstützung beim Thema Flüchtlinge: "Wir als Land lassen die Kommunen mit dieser Verantwortung nicht allein. Wir sind mit den kommunalen Spitzenverbänden ständig im Gespräch, unter anderem darüber, was an Entbürokratisierung in dieser Lage möglich ist." Außerdem müssten jetzt im Wohnungsbau die Weichen gestellt werden, damit NRW, auch wenn es zu Familiennachzug komme, gut gerüstet sei.

Ihren Vorschlag, Langzeitarbeitlose bei der Unterbringung von Flüchtlingen einzusetzen, verteidigt sie: "Ich bin davon überzeugt, dass wir ihnen eine Chance bieten können, weil es genug Arbeit gibt. Es geht dabei um öffentlich-geförderte Beschäftigungsverhältnisse, das heißt ordentlich bezahlte, reguläre Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose auf freiwilliger Basis." Sie könnten wichtige Unterstützung vor Ort leisten, ohne, dass dadurch eine Konkurrenz zu bisherigen Arbeitsplätzen entstehe. Kraft nahm sich in Neuss vier Stunden Zeit für die Bürger, anschließend ging es nach Köln. Für Breuer geht der Wahlkampf bis zur letzten Sekunde: Heute lädt die SPD zum Familienfest auf dem Markt ein.

Quelle: NGZ
 
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