| 00.00 Uhr

Neuss
Haus der Kinder: Einzige Kita in einem Baudenkmal

Neuss: Haus der Kinder: Einzige Kita in einem Baudenkmal
So einen Blick gibt es nur in der Kita "Haus der Kinder". Die sind ganz begeistert von der Einrichtung, der man ansieht, dass sie früher eine Fabrik war. FOTO: woi
Neuss. Die Maschinenfabrik an der Breite Straße ist wie verwandelt. Aktuell beherbergt sie Gäste. Doch die Diakonie will dort neue Kita gründen. Von Christoph Kleinau

Die Kindertagesstätte "Ein Haus für Kinder" ist im Moment wohl die spannendste Adresse für Neusser im U-6-Alter. Denn wo gibt es das schon, dass man in einem echten Denkmal toben darf? Nur an der Breite Straße. Doch die Kinder aus dem inzwischen abgerissenen Kindergarten der evangelischen Christuskirchengemeinde sind nur als Gäste auf Zeit in diesem tollen Haus, dem von außen und innen noch anzusehen ist, dass es einmal eine Maschinenfabrik war. Schon im August sollen sie in ihren Neubau umziehen und Platz machen für eine ganz neue Kindertagesstätte. Von der gibt es bislang aber weder ein Erzieherteam - noch Kinder.

Der Umzug aus der alten Kita am Martin-Luther-Haus an die Breite Straße "war ein Unterschied wie Tag und Nacht", versichert Kita-Leiterin Yvonne Hannen. Die hohe Halle mit ihrer offenen Metallkonstruktion im Dach, das ohne Stützen förmlich schwebt, machte mächtig Eindruck. Und die Galerie, die an zwei Stellen wie ein Schiffsbug in den lichten Raum ragt, wollte erkundet und in Anspruch genommen werden.

Die ehemalige Maschinenfabrik Hermann Franz, die seit 1909 und bis in die 1990er Jahre hinein erst Mühlenteile und danach Förderbänder und Transportanlagen herstellte, ist für Ann-Christin Kaup vom Jugendamt der Stadt ein Glücksfall. Die Räume, in denen lange auch eine Werbeagentur residiert hatte, wurden frei und der Besitzer war bereit, die von der Diakonie getragene Kita als Mieter zu akzeptieren. "Das ist hier nicht der klassische Rahmen für eine Kindertageseinrichtung", sagt Kaup, "aber spannend". Sie war für die Stadt auf der Suche nach Räumen, um den geforderten Ausbau der Kindertagesbetreuung auch in der Innenstadt zu garantieren. "Für uns war diese Lösung ein Geschenk", sagt sie. Denn die Einrichtung ist in den Stadtteil integriert, die Nähe zur Grundschule groß, die Infrastruktur steht - und ein Neubau wurde nicht nötig. Flächenmangel in der Innenstadt ist nämlich ein größeres Problem als die Nachfrage nach Kindergartenplätzen. "Die Innenstadt ist auch als Wohnort erstaunlich familienfreundlich", versichert Franz Dohmes, Pfarrer der Christuskirchengemeinde. Die betreibt gemeinsam mit der Diakonie die Einrichtung - und will das lange tun.

Vor dem Einzug der Kinder wurde das Gebäude grundsaniert. Die Dach- und Deckenkonstruktion durfte aus Gründen des Denkmalschutzes zwar ebenso wenig angefasst werden wie die markante Front zur Breite Straße hin. Doch die Seitenwände der alten Halle mit neuen Türen zum Gartengrundstück zu öffnen, das nebenan gepachtet werden konnte und zu einem Außengelände mit Schaukel und Sandkasten hergerichtet wurde, war kein Problem. Innen allerdings konnten die neuen Grundrisse von Denkmalschutzauflagen unbehelligt neu gestalten. Kindgerecht und so dimensioniert, dass der dreigruppigen Kita, die aktuell an der Breite Straße residiert, im Sommer eine mit vier Gruppen und rund 80 Kindern folgen kann.

Der Neubau am Martin-Luther-Haus kommt parallel auch voran. Dohmes: "Wir sind im Zeitplan".

Quelle: NGZ
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Neuss: Haus der Kinder: Einzige Kita in einem Baudenkmal


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.