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Neuss
Heim für 48 Flüchtlinge sorgt für Ärger in Selikum

Neuss: Heim für 48 Flüchtlinge sorgt für Ärger in Selikum
FOTO: Lothar BErns
Neuss. Das Aufstellen der Container verzögert sich bis zum Sommer. Der Standort am Bolzplatz Corneliusweg löste bei der Bürgerinfo Streit aus. Von Judith Jakob

Die geplante Notunterkunft für Asylbewerberheim in Selikum sorgt für Ärger. Das wurde bei der Bürgerinfo am Mittwochabend in der Gesamtschule an der Erft deutlich. Als Sozialdezernent Stefan Hahn zu Beginn ankündigte, die Stadt wolle an dem Standort festhalten, kippte die Stimmung. "Wir haben die alternativen Vorschläge geprüft. Die Stadt Neuss hält an dem Bolzplatz als Standort fest. Die Weichen sind gestellt und die Container bereits in Auftrag gegeben", erklärte Hahn den rund 150 Selikumern. Die aktuelle Krise habe ein beschleunigtes Entscheidungsverfahren nötig gemacht. "Wir können nicht warten, bis die Menschen in Bussen bei uns ankommen und wir dann keine Unterkünfte anbieten können. In diesem Fall müssten wir auf Turnhallen und Zelte ausweichen", sagt er.

Eine Bürgerinitiative bekräftigte unterdessen, gegen den Standort Klage zu erheben. "Wir möchten Flüchtlinge willkommen heißen und werden sie auch tatkräftig unterstützen. Aber wir möchten in die Entscheidung, wo diese Menschen untergebracht werden, mit einbezogen werden", sagte Ibrahim Ahrazouglu, der an den alternativen Plänen, die der Stadt übergeben wurden, mitgewirkt hat. Als Standort für das Heim favorisieren Anwohner den Parkplatz des TC Neuss Gnadental. Gegen den Standort Bolzplatz spreche laut Anwohner Stephan Becher, dass "der Platz in das Landschaftsschutzgebiet Obererft/Reuschenberger Busch fällt. Eine Bebauung würde gegen geltendes Recht verstoßen. Daher werden wir auch gegen die Entscheidung der Stadt gerichtlich vorgehen". Zudem sei der Platz zu klein und ungünstig gelegen.

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Sozialdezernent Hahn dagegen geht davon aus, dass dem Bauantrag, der im Oktober gestellt werden soll, stattgegeben wird. "Für den Bolzplatz wird es einen Befreiungsantrag geben, so dass dort schnellstmöglich gebaut werden darf", sagt er. Der angekündigten Klage der Initiative sieht er entspannt entgegen. "Ich wäre äußerst überrascht, wenn ein Gericht die Baugenehmigung kippen würde", sagt er. Die Initiative möchte trotzdem an der Klage festhalten.

Der Großteil der anwesenden Selikumer war jedoch zu dem Treffen gekommen, um zu erfahren, wie das Heim aussehen soll. Aus den vielen Wortmeldungen während der Veranstaltung ging hervor, dass nicht alle den Bolzplatz als Standort ablehnen. Auf dem Areal soll eine zweistöckige Container-Unterkunft errichtet werden. Diese wird zwischen 40 und 48 Asylbewerbern Platz bieten. "Geplant sind Mehrbettzimmer, ausreichend Sanitäre Anlagen auf beiden Geschossen, sowie Gemeinschaftsräume", erklärt Hahn. Viele Selikumer interessierte, wer zu Ihnen ins Stadtviertel kommen soll. "Die Belegung wird gemischt sein, also Familien und Einzelpersonen. Das Wohnheim wird kein Transitwohnheim, sie werden die Menschen also schnell kennenlernen", sagte Sozialamtsleiter Hans-Peter Oebel. Bis zum Baubeginn wird es länger dauern als zunächst geplant. Erst im Sommer werde man beginnen können. "Die Container sind zwar bereits bestellt, momentan betragen die Lieferzeiten jedoch sieben bis neun Monate", sagte Stefan Hahn.

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Quelle: NGZ
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