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Neuss
Heimatforscher gibt seine Schätze ab

Neuss: Heimatforscher gibt seine Schätze ab
Etliche Originaldokumente und Fotos aus Weckhoven hat Martin Kluth in seinem Leben zusammengetragen. Sie gehen nun im von Jens Metzdorf (l.) geleiteten Stadtarchiv auf und werden von Claudia Chehab aufgearbeitet. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Das Dorf- und Schützenarchiv über Weckhoven von Martin Kluth wird im Stadtarchiv als eigene Sammlung eingelagert und aufgearbeitet. In seinem Heimatort hatte Kluth keine geeigneten Räume mehr finden können. Von Christoph Kleinau

Martin Kluth, der vielleicht letzte "Jäger und Sammler" in Weckhoven, ist erleichtert. Sein Schatz an Wissen und Erinnerungen, den er in mehr als fünf Jahrzehnten zusammengetragen hat, ist nun an einem sicheren Ort: dem Stadtarchiv. Dort wird sein Dorf- und Schützenarchiv - zur Würdigung seiner Lebensleistung - unter der ergänzenden Bezeichnung "Sammlung Kluth" eingelagert und so aufgearbeitet, dass jeder darauf Zugriff hat und damit arbeiten kann. Ein schönes, wenn auch nachträgliches Geschenk zum 80. Geburtstag des Heimatforschers.

Das Sammeln steckt Kluth sozusagen in den Genen. "Schon meine Mutter war so", sagt er knapp. Zum früh geweckten Interesse kam zeitig das dazu passende Amt: Der gebürtige Weckhovener kam 1960 in den erweiterten Vorstand des Bürgerschützenvereins und wirkte dort so engagiert, dass ihm 1968 das Amt des Archivars angetragen wurde. Als Vorsitzender des Heimatvereins (inzwischen trägt er den Titel Ehrenvorsitzender) kam noch eine zweite "Lizenz zum Jagen" dazu.

"Ich war nie gut in der Schule", sagt Kluth über sich selbst, aber er hat das besondere Talent, zu überzeugen. So konnte er etliche Weckhovener Familien dazu bringen, ihm sogar Originalunterlagen unterschiedlichster Art anzuvertrauen. So zeichnet seine Sammlung nach Ansicht von Claudia Chehab, die im Stadtarchiv die so genannten Sammlungsbestände hütet, vor allem aus, "dass sie in alle Lebensbereiche hineinreicht". Brauchtum eingeschlossen: Ein Buch über Martin Kluths Einsatz als Nikolaus findet sich auch in dem Materialberg.

Die Sammlung füllte erst den Keller der Familie Kluth, dann drei Räume einer Wohnung an der Otto-Wels-Straße und - weil diese verkauft werden musste - zuletzt in einem der Hochhäuser des Neusser Bauvereins an der Hülchrather Straße. Weil die für ein neues Quartier abgerissen wurden, wurde das Dorfarchiv, das auch den Namen "Heimatmuseum" mit großer Berechtigung tragen konnte, heimatlos. "Es bestand die Gefahr, dass diese einmalige Sammlung auseinanderfallen und verloren gehen könnte", sagt Stadtarchivar Jens Metzdorf.

Was Kluth über den Weckhovener Schützenverein zusammengetragen hat, wurde dem Rheinischen Schützenmuseum übergeben, alle anderen Archivalien - nach Kluths Angaben allein rund 250 000 Bilder und Berichte - liegen nun dauerhaft gesichert im Stadtarchiv. Für viel Museumsgut wie eine Fahne des Männergesangsvereins aus dem Jahr 1907 aber fand sich kein Interessent. "Einen halben Container voll musste ich wegwerfen", sagt Kluth, für andere Dinge hofft er noch das Clemens-Sels-Museum interessieren zu können. Dort liegen schon ein Schwert oder auch eine Pfeilspitze aus fränkischer Zeit, die in einem Grab unter der Anfang des 20. Jahrhunderts gebauten St.-Josef-Kirche gefunden wurden. Sie hat Kluth dem Museum schon vor Jahren als Dauerleihgabe übertragen, sagt er.

Im Stadtarchiv, davon ist Metzdorf überzeugt, wird Kluths Sammlung noch an Wert gewinnen. Denn sie kann nun mit anderen Archivalien abgeglichen werden und erlaubt vielleicht - zumindest in Teilen - einen neuen Blick auf den Ort.

Quelle: NGZ
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