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Neuss
Helfen und lernen beim Einsatz in Afrika

Neuss: Helfen und lernen beim Einsatz in Afrika
Jacqueline Dinie (links) arbeitet normalerweise in der Unternehmenszentrale in Neuss. In Kenia unterstützte sie ein Projekt der North Star Alliance. FOTO: Janssen
Neuss. Ein Programm des Neusser Pharmaunternehmens Janssen ermöglicht den Mitarbeitern Auslandseinsätze bei Hilfsorganisationen. Von Frank Kirschstein

Es ist eines dieser Themen, ohne die in den vergangenen Jahren zumindest bei großen Unternehmen gar nichts geht: Corporate Social Responsibility (CSR). Unternehmerische Gesellschaftsverantwortung, nachhaltig und über die gesetzlichen Anforderungen hinaus, ist fester Bestandteil von Geschäftsberichten, Aktionärsversammlung, PR-Strategien. Aber wird CSR wirklich "gelebt"? Manche Aktivität scheint weniger nachhaltig als auf kurzfristiges öffentliches Echo abzuzielen. Da werden hier von Azubis ein paar Kita-Wände gestrichen, dort ein paar ausrangierte Computer unters Volk gebracht.

Das Pharmaunternehmen Janssen Deutschland mit Sitz in Neuss will mehr. Im Rahmen des sogenannten "Trust Secondment Programms", entwickelt im Mutterkonzern Johnson & Johnson, ermöglicht es Janssen-Mitarbeitern, "fachliche Kompetenz und Leidenschaft", so Personalchef Frank Zils, ausgewählten nicht staatlichen Hilfsorganisationen zur Verfügung zu stellen. Sie werden dazu vom Unternehmen für eine befristete Zeit - in der Regel drei bis sechs Monate - entsandt.

In "Roadside Wellness Centres" (RWC) an Truck Stops entlang zentraler Routen durch Kenia werden Lkw-Fahrer medizinisch versorgt. FOTO: Janssen

Jacqueline Dinie ist eine von ihnen. Für fünf Monate hat sie die Hilfsorganisation North Star Alliance in Afrika unterstützt. Das Ziel der Initiative: Mobile Bevölkerungsgruppen in Afrika - vor allem Lkw-Fahrer, aber auch Prostituierte - sollen Zugang zu hochwertiger medizinischer Versorgung bekommen. Dazu wurden entlang der zentralen Straßen an Truck Stops "Roadside Wellness Centres" (RWC) eingerichtet. Dort erhalten die Bedürftigen kostenlose medizinische Untersuchungen, zum Beispiel regelmäßige HIV- oder auch Seh- und Hörtests.

Dinie engagierte sich speziell in Kenia für den Ausbau des "Star Driver"-Programms. Der Grundgedanke: Lastwagenfahrer unterziehen sich mindestens vier Mal im Jahr einem Gesundheits-Check. Dafür erhalten sie ein "Star Driver-Zertifikat" - und verbessern mit diesem Gesundheitsnachweis ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Eine der größten Herausforderungen war es, sich auf neue Kulturen einzulassen und andere Arbeitsweisen zu akzeptieren. Dass zum Beispiel Entscheidungsprozesse in Kenia langsamer laufen als bei uns in Deutschland war nicht immer leicht im Arbeitsalltag", sagt Dinie, die bei Janssen als Digital Marketing Managerin arbeitet, unter anderem für Kampagnen im Bereich der Psychiatrie verantwortlich ist.

In Afrika konnte sie ihre Erfahrung bei der Entwicklung eines Trainingsprogramm und der Schulung von Mitarbeitern in fünf Kliniken in Kenia einbringen. Die Janssen-Mitarbeiterin organisierte auch die Übersetzung von Flyern aus dem Englischen in die Landessprache Suaheli und entwickelte ein Poster, um die Aktion landesweit bekannt zu machen.

Inzwischen ist Jacqueline Dinie wieder zurück in Deutschland: "Ich hatte eine großartige und beeindruckende Zeit in Kenia. Eines der intensivsten Erlebnisse war meine Begegnung und Unterhaltung mit mehreren Prostituierten in einem RWC. Sie haben mit mir ganz offen über ihr Leben und ihre Arbeit gesprochen. Viele von ihnen haben Familie und Kinder, die allerdings nichts von ihrer Arbeit wissen. Sie träumen von einem anderen Job. Als ich sie fragte, welchen Job sie gerne hätten, sagten sie: egal, jeden anderen..." Kürzlich ist einer von Dinies Kollege von Janssen in Neuss nach Kenia gestartet, um ihre Arbeit fortzusetzen. Auch Dinie selbst hält weiter Kontakt nach Kenia: "Es war eine unglaublich bereichernde Erfahrung, die Initiative vor Ort und damit auch die Menschen unterstützen zu können."

Aus sich des Personalchefs ist das "Trust Secondment Programm" ein voller Erfolg. Zils ist überzeugt: "Davon profitieren nicht nur die Initiativen, sondern auch die Mitarbeiter persönlich. Sie erhalten durch die außergewöhnliche Erfahrung die Chance, den eigenen Horizont zu erweitern und der Gesellschaft ein Stück ihres persönlichen Erfolges zurückzugeben."

Quelle: NGZ
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