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Neuss
Napps letzte Runde

Abschied von Herbert Napp
Neuss. Nach mehr als 17 Jahren als Bürgermeister hatte Herbert Napp seinen letzten Arbeitstag. Bei dessen Gestaltung war er um Normalität bemüht. Eine Abschiedsfeier gibt es nicht. Er trank er lieber ein Feierabendbier mit Freunden. Von Christoph Kleinau

Punkt 17.58 Uhr war für Herbert Napp gestern Feierabend. Nach mehr als 17 Jahren als Bürgermeister schloss der 69-Jährige letztmalig seine Bürotür ab und verließ das fast schon menschenleere Rathaus über die bereits geputzten Flure - Richtung Ruhestand. Die Ankündigung, mit Unterzeichnung einer Dringlichkeitsentscheidung zu dokumentieren, dass er bis zum letzten Tag im Amt auch auf der Kommandobrücke stand, machte der Verwaltungschef nicht wahr. Aber er war an diesem besonderen Tag erkennbar um Normalität bemüht.

Morgens tagte der Verwaltungsvorstand - wie jeden Dienstag. Dieses Gremium hatte Napp ausnahmsweise um jene Beigeordneten erweitert, mit denen er in seiner Amtszeit zu tun hatte. Jeder sei ja noch an seine Verschwiegenheitspflicht gebunden, sagt er zur Begründung. Einfluss auf die Tagesordnung hatte das nicht. Die war wie immer - und hatte mit der Ansiedlung der Verbraucherzentrale und der Flüchtlingsproblematik zwei echte Schwerpunkte. Die Standortfrage für die Verbraucherzentrale wurde auch in der großen Runde nicht geklärt, sagt Napp, der dieses Thema seinem Amtsnachfolger Reiner Breuer überlassen muss. Der wird heute um 11 Uhr als Rathauschef vereidigt.

Zum "Feierabendbier" in der Gaststätte Drusushof ging es für Napp nicht mehr im Dienstwagen. Stattdessen chauffierte ihn sein Freund Cornelius Bebber stilecht im knallroten Oldtimer. FOTO: Andreas Woitschützke

Peter Söhngen, der langjährige Sozialdezernent, gab bei der Erörterung des Flüchtlingsthemas mit einer Erinnerung an die vergleichbare Situation Anfang der 1990er Jahre ein wichtiges Stichwort: Karl Bongers. Der war damals an Bord geholt worden, um Lösungen vorzubereiten, ohne sich immer an den "normalen Dienstweg" zu halten. "Wenn wir alles nur auf dem Dienstweg machen, kommen wir bei diesem Thema nicht weit", sagte Napp. Er freut sich, dass Neuss in der Lage ist, die Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen und dass "noch kein virulentes Problem entstanden ist". Aber er betrachtet die weitere Entwicklung nicht ohne Sorge, zumal Bund und Land diese Frage viel zu theoretisch angingen. "Es ist wie immer", sagt Napp. "Die Probleme müssen die Kommunen lösen."

Der Vorstand tagte später als gewöhnlich. Dass hänge aber nicht mit seiner Verabschiedung am Abend zuvor durch die CDU-Fraktion zusammen, betonte Napp, der sich mit dem gestrigen Datum nach 40 Jahren Rats-Zugehörigkeit auch aus der Kommunalpolitik zurückzieht. "In dieser Zeit hat er keine Wahl verloren", betonte die amtierende Fraktionsvorsitzende Helga Koenemann, die im Alten Ratssaal eine Bilderausstellung zu Napps Werdegang erläuterte. Die Abschiedsrede aber überließ sie ihrem geschiedenen Mann Bernd, der von den insgesamt sieben Fraktionsvorsitzenden der "Ära Napp" derjenige war, der es am längsten auf diesem Posten aushielt. Koenemann kam zu dem aus CDU-Sicht wenig überraschenden Schluss, dass Napp ein guter Bürgermeister für Neuss war. Und ein Kuchen von Karin Kilb zeigte noch einmal wichtige Wegmarken aus dieser Zeit auf.

Die besten Karikaturen von Herbert Napp

Napp war schon beim angekündigten "Feierabendbier" mit Freunden in der Gaststätte Drusushof, als ihn noch ein letztes Mal die Pflicht rief. Im Kulturkeller wurde am Abend die Ausstellung "Neusser Karikaturen - 30 Jahre Küfen" des Stadtarchivs eröffnet, für die - der mehrfach so "porträtierte" - Napp noch ein Grußwort zugesagt hatte. Karikaturisten, so sagte Napp, hätten ihm immer schon Respekt abgenötigt. "Sie brauchen über eine zeichnerische Begabung hinaus die Fähigkeit, politische Zusammenhänge zu verstehen und auf eine Pointe zu verdichten."

Als Pensionär wird Napp ab heute anfangen, sein Leben neu zu ordnen - ohne Dienstwagen und Fahrer aber auch ohne übervollen Terminkalender. Er werde zunächst sortieren, was er aus seinem Büro noch mitgenommen hat, bevor er am 1. November einen Urlaub antritt. Der eigentliche Ruhestand aber beginnt schon morgen um 9.30 Uhr am ersten Abschlag des Golfplatzes Hummelbachaue. Angst vor dem neuen Lebensabschnitt hat Napp nicht. Die Ex-Kollegen aus dem Verwaltungsvorstand, fand er gestern, sahen doch froh und zufrieden aus.

Das ist Herbert Napp FOTO: Woitschützke, Andreas
Quelle: NGZ
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