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Neuss
Heutige Kunst und gestriges Leben

Neuss: Heutige Kunst und gestriges Leben
So könnte es zu Zeiten des römischen Novaesium ausgesehen haben: Der Hafen lag direkt vor den Mauern. FOTO: Anka Klucke
Neuss. Mit fünf neuen Ausstellungen im Haupthaus und der Dependance Feld-Haus geht das Clemens-Sels-Museum in das erste komplette Jahr nach der Wiedereröffnung im Mai 2015. Dazu kommen neue Angebote für junge Besucher. Von Helga Bittner

Das Clemens-Sels-Museum will im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit bleiben. Allerdings setzt das Team um Chefin Uta Husmeier-Schirlitz derzeit auf Überzeugung durch Programm. Denn erst im April wird der Rat entscheiden, in welcher Form es mit dem Haus am Obertor weitergehen soll. Mit oder ohne Sammlung exquisiter Jugendstil-Kunst? Mit kleiner, mittlerer oder großer Erweiterung? Einstweilen arbeitet das Team weiter wie bisher, hat für das laufende Jahr ein Programm aufgestellt, das die Sparten des Museums, Kunst, Stadtgeschichte, Archäologie und Populäre Druckgrafik, abdeckt.

Foyer, Gartensaal und Zwischenetage werden derzeit genutzt, um rund 13 Werke aus der hauseigenen Sammlung mit Farbmalerei zu zeigen. "Alles Arbeiten, die dem Museum 2015 geschenkt wurden", sagt Kuratorin Bettina Zeman. Unter anderem hängt auch das Mobilé von Paul Schwer wieder im Treppenhaus. Zudem wird der Künstler für den Internationalen Museumstag eine "Lichtskulptur für das Rheinland" schaffen. Aufgestellt wird sie im Außenbereich.

Ab 13. März geht der Blick nach Italien. Der Maler Johann Anton Ramboux steht im Mittelpunkt eines museumsübergreifenden Projekts, das vom LVR wesentlich mitfinanziert wird. Der Kurator (und stellvertretende Museumsleiter) Ulf Sölter leiht dafür aus dem Düsseldorfer Museum Kunstpalast ein Konvolut von 98 Arbeiten des vor 150 Jahren gestorbenen Malers aus. Die Blätter sind entstanden, als Ramboux Italien bereiste und das, was er sah, in eigener Form aufs Papier brachte.

Als "Museum Ramboux" werden diese Blätter auch gerne bezeichnet, denn sie zeigen große Zeugnisse der Kunstgeschichte. "Ramboux hat aber nicht einfach kopiert", sagt Sölter, "sondern nachempfunden." Er ist auch ein wenig stolz darauf, dass in der Neusser Schau "Italien - so nah" zum ersten Mal so viele Blätter wie noch nie von diesem "Museum Ramboux" gezeigt werden können. Zudem liefert das Kunsthistorische Institut Florenz Fotos aus genau jener Zeit, zu der Ramboux in Italien unterwegs war. Schon einige Wochen vorher werden im Grafischen Kabinett Johann Wilhelm Schirmers Skizzen von seinen Italienreisen die "Sehnsucht nach dem Süden" anfeuern.

Ausgehend von der eigenen Symbolisten-Sammlung stellt die zweite große Kunst-Ausstellung diese Malerei-Richtung in den Mittelpunkt - aber mit dem Fokus auf aktuelle Werke. Etwa sechs bis sieben Künstler hat Kuratorin Zeman im Blick, deren Werke in der Ausstellung "Symbolismus heute" zeigen werden, dass Künstler wie James Ensor oder Gustave Moreau im 19./20. Jahrhundert nicht einen Stil geprägt haben, sondern eine künstlerische Haltung, die heute noch gepflegt wird. "Nicht als Nadel im Heuhaufen", wie Husmeier-Schirlitz sagt, "sondern als Heuhaufen."

Vom Leben an der römischen Grenze erzählt die stadtgeschichtliche Ausstellung "Der Limes in Novaesium". Kurator Carl Pause rückte dabei den niedergermanischen Limes in den Blick: "Er hatte keine Wälle oder Kastelle", sagt er, aber an ihm entlang zog sich eine Zone des kulturellen Austausches. "Auch dieser Limes hat das Leben der Menschen damals stark beeinflusst." Dass diese Geschichte auch erlebbar gemacht wird, will Pause mit diversen Aktionen, aber auch besonderen Ansichten wie Rekonstruktionen zeigen.

Im Feld-Haus, der Dependance des Museums für Populäre Druckgrafik, geht es um Haussegenssprüche, die in vielen Haushalten ein beliebter Wandschmuck aus allerlei Stoffarten waren.

Quelle: NGZ
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