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Neuss
Hilfe auf dem Weg zurück in den Beruf

Neuss: Hilfe auf dem Weg zurück in den Beruf
Infomieren über den beruflichen Wiedereinstieg nach der Babypause (v.l.): Michael Sonntag, Angelika König, Heike Dickmann, Ute Hardenbicker und Karin Lange. FOTO: Anja Tinter
Neuss. Mütter, die beruflich wieder Fuß fassen wollen, können beim Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin machen. Umfang der Tätigkeit: 30 Wochenstunden. Von Julia Rommelfanger

Heike Dickmann kümmert sich um ihre dreijährige Tochter. Gleichzeitig absolviert die 29 Jahre alte Neusserin eine Ausbildung zur Krankenpflegerin - eine seltene Kombination, denn die Ausbildung am Lukaskrankenhaus und dem Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe des Rhein-Kreises ist eine der wenigen, die in Teilzeit angeboten wird. "Ich hatte keine andere Möglichkeit, beruflich wieder Fuß zu fassen und Job und Kinder unter einen Hut zu bekommen", berichtet Heike Dickmann.

Seit Oktober 2015 absolviert sie das vierjährige Programm gemeinsam mit 21 anderen Azubis. Die Ausbildung im Umfang von 30 Wochenstunden ist speziell für Mütter und Väter gedacht, die wieder in den Beruf einsteigen möchten. "Mit diesem Programm haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, denn es gibt nur wenige Arbeitgeber, die eine Ausbildung in Teilzeit anbieten", sagt Michael Sonntag, stellvertretender Leiter des Bildungsinstituts. Dabei stelle ein solches Modell gerade in der Pflege eine Win-Win-Situation dar, sagt auch Angelika König, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Agentur für Arbeit in Mönchengladbach: "Die Teilzeitausbildung in der Pflege ist nicht nur ein Gewinn für die Auszubildenden, sondern auch für die Arbeitgeber. Sie erschließen sich mit der Öffnung zu dieser Personengruppe neue Potenziale, um den Fachkräftebedarf in Pflegeberufen zu decken."

Im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche "Einstellungssache! Jobs für Eltern" lenkt der Rhein-Kreis den Blick auf diese Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren. "Wir wollen darauf aufmerksam machen, wie wichtig eine Berufsausbildung auch für Eltern ist", sagt Ute Hardenbicker vom Jobcenter des Rhein-Kreises. "Wenn die Kinder im Kindergarten oder in der Schule starten, überlegen sich auch Mütter, wieder in den Beruf einzusteigen."

Bei der Suche eines Ausbildungsplatzes in Teilzeit ist Heike Dickmann ausschließlich auf dieses spezielle Angebot des Rhein-Kreises gestoßen. "Leider gibt es immer noch viel zu wenige Betriebe, die Teilzeitausbildungen anbieten", bedauert Angelika König. Besonders für Alleinerziehende sei eine Ausbildung in Teilzeit jedoch die einzige Möglichkeit, eine berufliche Qualifikation zu erlangen.

Die Bewerbungsphase für den neuen Ausbildungsjahrgang 2017 am Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe hat bereits begonnen. Seit 2012 gibt es das Teilzeit-Programm in Kooperation mit den Krankenpflegeschulen der beiden Kreiskrankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen sowie dem Lukaskrankenhaus. Ende September schließen die ersten acht Mütter ihre Teilzeitausbildung ab. "Das Tolle: Aufgrund des großen Bedarfs in der Pflege werden unsere Absolventen keine Probleme haben, eine Teilzeitstelle zu finden", erklärt Sonntag. Nicht einfach zu meistern sei allerdings der Schicht- und Nachtdienst. "Letzter fällt aber nur neun bis zehn Mal in den vier Ausbildungsjahren an", bemerkt Sonntag. Beim Vereinbaren der Dienstpläne mit häufig sehr frühem Arbeitsbeginn und bisweilen spätem Schichtende helfen Praxisanleiter den Müttern.

Der Kreis der Auszubildenden sei breitgefächert, sagt Sonntag. Einige seien noch vor oder während ihrer Ausbildung schwanger geworden und um die 20 Jahre alt; andere haben eine längere Jobpause hinter sich; die älteste Teilnehmerin sei 53 Jahre alt. Einige haben bereits Erfahrungen in der Pflege gesammelt, etwa als Pflegehelferin. Andere orientieren sich völlig neu, wie Heike Dickmann, die vor der Geburt ihrer Tochter im Maschinenbau tätig war. "Ich wollte jetzt etwas Abwechslungsreiches und gleichzeitig Sinnvolles machen", sagt sie. Bis zum Abschluss ihrer Ausbildung 2019 wird sie außerdem in der ambulanten Pflege und in der Psychiatrie eingesetzt.

Quelle: NGZ
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