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Neuss
Historiker führt zu Neusser Kunstschätzen

Neuss: Historiker führt zu Neusser Kunstschätzen
Christian Frommert ist Profi, wenn es um Kunst in Neuss geht. FOTO: woi
Neuss. Der Kunsthistoriker Christian Frommert zeigt am Samstag, was die Innenstadt in Sachen Skulpturen auf dem Kasten hat. Bei einem zweistündigen Spaziergang geht es auch um die bewusste Platzauswahl für die jeweiligen Werke. Von Simon Janssen

Die Recherche zu seinem Buch gab den Anstoß: Vor rund zwei Jahren veröffentlichte Christian Frommert einen Band mit Werken der modernen Kunst im öffentlichen Neusser Stadtraum. Zahlreiche Mahnmale, Denkmäler Erinnerungstafeln und Kunstwerke, die zwischen den 1950er Jahren und dem Beginn des 21. Jahrhunderts angefertigt wurden, sind dort bildlich dargestellt und textlich beschrieben. "Über die Vorbereitungen zu dem Buch konnte ich mir viel Ahnung über diese Werke verschaffen", sagt Frommert.

Um Kunstinteressierte an seinem Wissen teilhaben zu lassen, führt der Kunsthistoriker am kommenden Samstag, 18. Juni, durch die Neusser Innenstadt. Dabei will er zeigen, was das Herz der Quirinusstadt in Sachen Kunst auf dem Kasten hat. "Bei dem Spaziergang geht es um die modernen Werke in Neuss - also Kunst im öffentlichen Raum nach 1945", sagt der 59-Jährige, der den Rundgang gemeinsam mit Harald Müller, Leiter des Neusser Kulturamts, entwickelte.

Der Lesehof stammt von der Gruppe Haus-Rucker-Co. FOTO: woi

Treffpunkt ist um 11 Uhr der Lesehof vor der Stadtbibliothek - eine Plastik mit Zinkwänden, auf die Texte und Bilder aus Fachbüchern und Zeitschriften graviert wurden. Sie stammt aus der Feder der Künstler- und Architektengruppe Haus-Rucker-Co, die 1983 aufgerufen worden ist, Entwürfe für die Platzgestaltung des Neumarkts mit dem damaligen Neubau der Stadtbibliothek vorzulegen. "Insgesamt werden fünf bis sechs Werke besichtigt", sagt Frommert. So steht auch ein Halt am jüdischen Mahnmal von Ulrich Rückriem und am Edelstahl-Würfel von Josef Neuhaus in der Grünanlage des Clemens-Sels-Museums auf dem Programm - ebenso wird ein Blick auf die "Raumsäule" von Erich Hauser geworfen, die seit Oktober 2014 an ihrem neuen Platz - auf der Grünfläche an der Straße "Am Kehlturm" - steht.

Die 800 Kilogramm schwere Plastik ist ein willkommenes Beispiel für Frommert, der den Teilnehmern neue Perspektiven aufzeigen möchte, wenn es darum geht, die Sehenswürdigkeiten in einen Gesamtkontext einzuordnen. "Die Leute sollen einen Blick dafür bekommen, die Kunstwerke nicht separat zu betrachten, sondern sie auch in Beziehung zu Umwelt und Umgebung zu setzen", sagt Frommert. Schließlich würde eine Skulptur wie die "Raumsäule" von Erich Hauser ihre ganze Umgebung verändern. "Sie braucht einen gewissen Freiraum um sich. Darum steht sie dort auch sehr gut", sagt der 59-Jährige. Doch laut des Kunsthistorikers gebe es auch Negativ-Beispiele in der Quirinusstadt, wenn es darum geht, den adäquaten Platz für ein Kunstwerk zu finden: "Die Apfelsinenkiste am Bahnhof passt zum Beispiel überhaupt nicht in die Umgebung."

Die "Himmelssäule" von Erich Hauser wurde 2014 versetzt. FOTO: Fabio Borquez

So wird es auch um die Geschichten hinter den einzelnen Standortwahlen gehen - also um die Frage "Warum ausgerechnet an diesem Platz?" Ob es eine zweite Tour geben wird, steht noch nicht fest. "Wir schauen zunächst, wie der Publikumszuspruch ist und entscheiden dann", so der Stadtführer.

Quelle: NGZ
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