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Puppenbühne Neuss
Hobi schickt den Kasper in Rente

Puppenbühne Neuss: Hobi schickt den Kasper in Rente
Ehefrau Uschi lernte Horst Bischoff 1976 in Bob's Stage, einem Folk-Club in Hemmerden, kennen. FOTO: Andreas Woitschützke
Neuss. Mit den Stücken und Liedern seiner Puppenbühne sind Generationen von Neusser Kindern aufgewachsen. Nach 32 Jahren hat Horst Bischoff nun entschieden: Die beiden nächsten Vorstellungen werden die letzten sein. Von Susanne Niemöhlmann

In Neuss ist er eine Institution: Junge Erwachsene, die Horst Bischoff in der Innenstadt begegnen, bekommen einen verklärten Blick, kleine Kinder begrüßen den 67-Jährigen mit einem fröhlichen "Hallo, Hobi!", und so mancher stimmt gleich einen seiner zahlreichen Songs an wie "Aramsamsam", "Ich bin vom Ma-Ma-Mars" oder "Paula paddelt unter Palmen". "Viele junge Eltern, die meine Theaterstücke mit ihren Kindern besuchen, sagen mir: ,Ich bin als Kind auch schon zu deiner Puppenbühne gekommen'", erzählt Bischoff, der nach wie vor eine große Fangemeinde hat.

Dennoch steht sein Entschluss fest: "Ich habe seit einem Jahr darüber nachgedacht, mit der Puppenbühne Schluss zu machen", sagt er und begründet diesen Schritt: "Es ist besser aufzuhören, wenn die Leute es noch zutiefst bedauern, als irgendwann gesagt zu bekommen: ,Bist du dafür nicht zu alt?'" So werden das Martinsliedersingen am 6. November und die Aufführung eines Weihnachtsstücks am 18. Dezember im Gemeindesaal der Gnadentaler Kreuzkirche seine letzten Auftritte mit der Hobi-Puppenbühne sein. Einen Rückzug vom Rückzug schließt er aus: "Ich bin nicht Howard Carpendale", sagt er schmunzelnd.

Das Puppenvirus erfasste ihn, als er mit den eigenen kleinen Söhnen Benjamin und Tobias ein Puppenstück in Düsseldorf besuchte, erinnert sich Ehefrau Uschi. "Unsere Kinder waren begeistert, aber mein Mann war geradezu elektrisiert", berichtet sie. Direkt im Anschluss an die Aufführung habe er sich herumführen und alles erklären lassen. "Das kann ich auch", sagte er sich damals. Und dann ging alles sehr schnell: Auf die ersten Gummikopf-Handpuppen folgten bald selbst gefertigte aus Plastiform, das Kinderzimmer an der Kolpingstraße wurde fürs Publikum zu klein. In Norbert Holl fand er einen kongenialen Spielpartner. Dessen früher Tod 1987 stürzte die Hobi-Puppenbühne in die erste Krise, denn der Vertrag mit den Veranstaltern der Bundesgartenschau in Düsseldorf musste erfüllt werden: über sechs Monate lang zweimal wöchentlich drei Aufführungen.

"Ich habe alle Stücke von vier auf zwei Hände umgeschrieben und in meiner Dienststelle vor- und nachgearbeitet", erzählt Hobi von dieser Zeit. "Aus der Not geboren" begann Ehefrau Uschi damals, ihm vor und hinter der Bühne zu assistieren.

Gut 27 Jahre war die Hobi-Puppenbühne fester Bestandteil verschiedener Kulturreihen für Kinder im Kulturkeller und immerhin 13 Jahre in der Stadtbibliothek, zehn Jahre trat Hobi in der Leoschule auf. Hinzu kam die Zusammenarbeit mit der Musikschule bei Musicals wie "Musikakadu" oder "Mozartella", die absolute Publikumserfolge wurden. Was bleibt, sind mehr als 60 Puppen, etwa 35 selbst geschriebene Theaterstücke, Bühnenbilder und Requisiten, fünf CDs und ein Buch. "Im meinem Job habe ich nicht die Erfüllung gefunden", gibt Bischoff zu, "da hatte ich es hauptsächlich mit Akten zu tun statt mit Menschen." Einen entsprechend hohen Stellenwert hatten die Puppenbühne und die Musik. "Dort konnte ich Fähigkeiten ausleben, die im öffentlichen Dienst eher unterdrückt wurden", erklärt er. Langeweile fürchtet das Paar nicht: "Uschi ist seit fast 25 Jahren in der Flüchtlingsarbeit sehr engagiert, ich habe meine Chöre ,Die Kaffeetassen', die ,Ohrwürmer' und den ,Kükenchor' sowie den Gitarrenkurs", zählt Bischoff auf. "Wenn wir etwas bedauern, dann vielleicht, dass wir nicht mehr vor unserem zweieinhalbjährigen Enkelkind spielen werden", sagt er. Aber für Frida wird er sicher eine Ausnahme machen.

Quelle: NGZ
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