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Neuss
Hochkarätiges Klavierspiel am Vormittag

Neuss. Das Friedrich-Spee-Kolleg startete ein Pilotprojekt mit Gesprächskonzerten am frühen Morgen.

Das hat es Jahrzehnte in Neuss nicht gegeben: ein Klavierkonzert mit einer international gefragten Pianistin am frühen Morgen. Genauer um 9.55 Uhr. Dahinter steht ein Pilotprojekt des Friedrich-Spee-Kollegs, des erzbischöflichen Institutes zur Erlangung von Abitur und Hochschulreife, das im Neusser Krankenhausviertel beheimatet ist.

Adalbert Grote, Fachlehrer für Deutsch und Musik, war Initiator der Idee, "hochkarätige Musik in die Unterrichtszeit zu bringen". Er konnte die vielfach ausgezeichnete deutsch-rumänische Pianistin Luiza Borac gewinnen, die am frühen Morgen aus Hannover anreiste. Dort hat sie vor Jahren ihr Konzertexamen mit Auszeichnung abgeschlossen.

Nun ist Luiza Borac, die auch in Musikwissenschaften promoviert hat, kein Zufall: Sie pflegt ungewöhnliche Veranstaltungsformen, war jahrelang Musikbotschafterin im Rahmen des Projektes "Music in our Schools" und spielte zahlreiche Benefizkonzerte für Straßen- und Waisenkinder Rumäniens.

Rund 100 Studierende versammelten sich im Atrium des Kollegs und freuten sich zunächst über ein ungewöhnlich reich bebildertes Programm, das Luiza Borac mit drei "Kinderszenen" von Robert Schumann eröffnete. Vor allem die "Träumerei" war derart intim interpretiert, dass ihr Attribut "Die poetische Künstlerin" aua der Süddeutschen Zeitung lebhaft nachvollziehbar war. Sie kann aber auch kraftvoll zupacken: Die vierte Etüde d-Moll aus den "Ètudes d'exécution transcendante" von Franz Liszt mit dem Titel "Mazeppa" übersteigt mit ihren exzessiven Ansprüchen an Technik, Kraft und Treffsicherheit (nicht ganz gelungen) alles, was bis dahin an virtuoser Klaviermusik geschrieben wurde. Für die Einspielung des gesamten Klavierwerkes des rumänischen Komponisten George Enescu (1881 - 1955) erhielt Luiza Borac 2007 den renommierten BBC Music Award für die beste instrumentale CD. Leider spielte sie im Spee-Atrium nur wenige Takte seines betörenden "Carillon Nocturne".

Dafür brillierte sie mit Liszts Paraphrase über die Ouvertüre zu "Wilhelm Tell" von Rossini. Nach dem vitalen Allegro-Finale mit feuriger Stretta beantwortete Borac Fragen der Studierenden, erzählte aus ihrer Kindheit und dem Alltagsleben einer Profimusikerin. "Haben Sie jemals am frühen Morgen ein Konzert gegeben?" "Ja, bereits einmal - in einem Gesprächskonzert mit der rumänischen Komponistin und Professorin für angewandte Komposition Violeta Dinescu an der Universität Oldenburg." In Neuss musste sie zum Ende viele Autogrammwünsche der Studierenden erfüllen.

(Nima)
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