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Neuss
Hoffnungsschimmer für Whitesell

Neuss: Hoffnungsschimmer für Whitesell
Das Firmenlogo hing nur kurz: Whitesell gibt Recht am Unternehmen ab. FOTO: Woitschützke, Andreas (woi)
Neuss. Der US-Investor gibt Immobilien und Maschinen aus seiner Luxemburger Gesellschaft zurück in die Insolvenzmasse. Der Insolvenzverwalter spricht von einem entscheidenden Schritt, um alle deutschen Werke zu erhalten. Von Christoph Kleinau

Der US-Konzern Whitesell sitzt nicht mehr länger mit am Tisch, wenn mit Interessenten über die Zukunft der Neusser Schraubenfabrik und ihrer drei deutschen Schwesterwerke verhandelt wird. Am Freitag gab er dem monatelangen Drängen von Insolvenzverwalter und Gewerkschaft nach und die beweglichen und unbeweglichen Vermögenswerte des Unternehmens frei. Damit kann Insolvenzverwalter Biner Bähr die Firmengruppe des Automobilzulieferers erstmals als Paket anbieten.

Die Nachricht vom Abschluss eines entsprechenden Notarvertrages wurde gestern Morgen in allen vier Werken öffentlich ausgehängt. Morgen, wenn dem Vernehmen nach auch die Delegation eines chinesischen Interessenten das Werk in Neuwied besichtigt, will der Insolvenzverwalter dort den Gesamtbetriebsrat umfassend über den Stand der Dinge unterrichten. Schon gestern gab es aus Sicht von Nihat Öztürk, dem ersten Bevollmächtigten der Industriegewerkschaft (IG) Metall, aber nur eine Lesart: "Das ist eine gute Nachricht."

Whitesell hatte das Unternehmen Anfang 2014 aus einem Insolvenzverfahren übernommen und im Januar erneut Insolvenzantrag gestellt. Der Mutterkonzern blieb aber am Verfahren beteiligt, weil er die Sachwerte, also die Immobilien der Werke in Neuss, Neuwied, Beckingen und Schrozberg, aber auch den Maschinenpark in eine in Luxemburg ansässige Gesellschaft ausgelagert hatte. Insolvent war danach "nur" der Betrieb, dessen Belegschaft mit Beginn des offiziellen Insolvenzverfahrens Anfang April von etwas über 320 Köpfe auf jetzt nur nur noch 116 Mitarbeiter reduziert wurde.

"Wir bekommen von Whitesell US alles zurück", fasste Insolvenzverwalter Bähr in seiner gestrigen Mitarbeiterinfo das Ergebnis zusammen, das er dem US-Konzern in den vergangenen knapp drei Monaten abgerungen hatte. Dazu gehören über die beweglichen Anlagevermögen hinaus auch Patente und Lizenzen. Und zuletzt verzichtet der US-Investor zudem auf alle Mietforderungen, die er für die Nutzung der Fabriken und Maschinen seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens erhoben hatte.

Karlheinz Salzburg, Vorsitzender des Betriebsrates im Neusser Werk, freut sich, dass Bähr den Amerikanern die Werke wieder abluchsen konnte. Zu den Konditionen macht Bähr keine Angaben, sie sind Salzburg auch "völlig schnurz", wie er betont. Hauptsache, man sei im weiteren Verfahren nicht mehr auf Whitesell angewiesen. Schon vor dem Insolvenzantrag hatten Betriebsrat und Gewerkschaft die US-Amerikaner gedrängt, das Werk wieder frei zu geben, damit das auf mechanische Verbindungsteile spezialisierte Unternehmen einen neuen Geldgeber suchen kann. Erst jetzt kommt es dazu.

Nachdem es im vergangenen Juli schon geheißen hatte, das Neusser Werk müsse geschlossen werden, zeigte sich Bähr gestern zuversichtlich, auf dem Weg zum Erhalt aller vier Werke einen entscheidenden Schritt vorangekommen zu sein. Die Stadt steht zu ihrer Zusage, alles dabei zu unterstützen, was Arbeitsplätze in Neuss erhält. Bis hin zum Kauf von Grundstück und Fabrik, an dem sich Whitesell nun nicht mehr bereichern kann.

Quelle: NGZ
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