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Neuss
Hommage an den Jazzpianisten Bill Evans

Neuss. Sängerin Anne Hartkamp und Pianist Thomas Rückert stellten ihr Evans-Album im Romaneum vor.

Um das Ende an den Anfang zu stellen: Die Zuhörer im Pauline-Sels-Saal des Romaneum waren dankbar, dass Anne Hartkamp ihr Konzert trotz hörbarer Erkältung nicht abgesagt hatte. Die Jazzsängerin und Komponistin trat in der Reihe "Dozentenkonzerte" der Musikschule Neuss auf. Denn dort unterrichtet sie nicht nur, sondern leitet auch den Jazzchor Roundabout der Musikschule, der regelmäßig die Fans begeistert. "Es ist schön, Anne Hartkamp mal nicht nur von hinten als Dirigentin zu sehen", begrüßte der auch für Jazz zuständige Fachlehrer Ralph Rotzoll die gut 60 Zuhörer.

"Dear Bill" war das Releasekonzert der im vergangenen Oktober erschienenen gleichlautenden CD betitelt. Das zusammen mit Thomas Rückert (Piano) entstandene Album würdigt den legendären amerikanischen Jazzpianisten William John "Bill" Evans (1929-1980), der als großartiger Interpret von Standards und Komponist großen Einfluss ausübte. Viele von ihm komponierte Stücke sind bereits Klassiker wie "Blue in Green", der Titel der beliebten Neusser Jazzreihe in der Alten Post.

Mit dem Klassiker "Very Early" begann auch das Konzert, und bei der ersten Improvisation war klar: Anne Hartkamp hat mit Thomas Rückert einen erstklassigen Jazzpianisten zur Seite. "Bill Evans zu spielen, ist eine riesige Herausforderung. Er ist mein Hero", sagt der gebürtige Würzburger. "Irgendwann habe ich aufgegeben, so gut zu sein wie er. Aber seine Musik hat mein Herz erobert." Dabei hat sein oft kammermusikalisch feines Spiel viel Ähnlichkeit mit seinem Vorbild. Beide haben zunächst eine klassische Klavierausbildung absolviert, traditionelle Techniken werden für den Jazz kreativ genutzt, seine sensible Klaviersprache schlägt Brücken zum Gesang.

Vor allem die lyrischen Balladen sind Anne Hartkamps Metier. Ihrer Stimme ist die Erkältung kaum anzumerken, die Höhen bleiben rein, vor allem die Scats sind großer Vokaljazz. Dunkler Melancholie wie in "My Foolish Heart" verleiht sie zusätzliche Emotionalität. "Das ist zum Kuscheln", sagt eine Zuhörerin und lehnt sich prompt an ihren Begleiter.

Zu einflussreichen Evans-Originalen wie "The Two Lonely People" "Turn out the Stars" interpretierte das Duo wenige weitere Songs wie "Come Rain or Come Shine" aus einem Musical. Die anrührende Liebeserklärung aus einem Musical entwickelte sich aber mit Bill Evans 1959 zum Jazzstandard.

Nicht so recht ins Programm passte der Titelsong zur Fernsehserie "Mash". Dafür wurde aber die Zugabe "You must Believe in Spring" zur bewegendsten Evans-Hommage. Sie ist auch auf der CD, die nicht nur eine gesunde Anne Hartkamp präsentiert, sondern auch bei einigen Stücken als Special guest John Goldsby (Bass).

(Nima)
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