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Neuss
Hundestaffeln üben Suche nach Vermissten

Neuss: Hundestaffeln üben Suche nach Vermissten
In den Resten des letzten Hochhauses an der Hülchrather Straße fanden die Rettungshelfer und ihre Suchhunde ideale bedingungen. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Katja Verfürth und ihre Mitstreiter vom I.S.A.R.-Rettungsteam konnten im Abbruchhochhaus unter realistischen Bedingungen trainieren. Von Dagmar Fischbach

Wie ein geölter Blitz schießt Hannibal über das Abrissgelände an der Hülchrather Straße. Er umkreist eine Gruppe Menschen in Schutzkleidung. Die Nase dicht am Boden läuft er über die Schuttberge zur Ruine des achtgeschossigen Hochhauses. Plötzlich bleibt der schwarze Labrador-Rüde vor einem Trümmerberg stehen. Er bellt ausdauernd. Zwischen den Steinen im Untergeschoss des Hauses hat Hannibal einen Menschen entdeckt.

"Gut gemacht", lobt Frauchen Katja Verfürth und gibt dem Hund sein Lieblings-Spielzeug. "Im Ernstfall könnten wir jetzt mit der Bergung des Opfers beginnen", erklärt sie. Doch zum Glück war alles nur eine Trainingseinheit. "Opfer" Markus Vierbaum kommt gesund und munter aus seinem Versteck.

Wie Katja Verfürth gehört er zum Team von I.S.A.R. (International Search and Rescue Germany) aus Krefeld. Mit weiteren sechs Kollegen und Hunden trainieren sie auf Einladung des Neusser Bauvereins auf dem Abrissgelände in Weckhoven den Ernstfall. "Solche Gelegenheiten sind selten. Aber es ist extrem wichtig, dass wir mit den Tieren unter realen Bedingungen üben können", erklärt Katja Verfürth.

Schon zum dritten Mal hat das Wohnungsbauunternehmen den Katstrophenhelfern ein Trainingsgelände zur Verfügung gestellt. Nach Trainingseinsätzen im ehemaligen Finanzamt Schillerstraße 2012 und an der Hülchrather Straße im vergangenen Jahr, konnten die Hundeführer mit ihren Tieren nun wieder in Weckhoven die Suche nach Verschütteten üben. Denn mit dem gerade begonnenen Abbruch des letzten der insgesamt vier "Punkthäuser", bietet das Gelände an der Hülchrather Straße ideale Trainingsbedingungen.

Hannibal kann davon gar nicht genug bekommen. Der drei Jahre alte Hund möchte am liebsten sofort weiter suchen. Aber jetzt fegt erstmal Riesenschnauzer Luke übers Geröll. "Die Tiere haben riesigen Spaß an der Arbeit", erklärt Katja Verfürth. Die 30-jährige gehört seit fünf Jahren zu I.S.A.R. Krefeld und war 2010 beim Einsatz in Haiti dabei, wo ein Erdbeben ganze Häuserzeilen zusammenstürzen ließ. "Ich war mit dem medizinischen Team vor Ort", erinnert sich Verfürth, die in ihrem gelernten Beruf als Krankenschwester arbeitet und Medizin studiert. Ihr Hannibal war damals noch gar nicht auf der Welt.

"Mit ihm arbeite ich, seit er zehn Wochen alt ist", erklärt die Katastrophenhelferin. "Die Tiere werden von ganz klein auf spielerisch für die Opfersuche trainiert." Zur Belohnung gibt es immer dasselbe Spielzeug. Die Hunde verbinden das mit dem Aufspüren des Verschütteten. "Für sie ist das Ganze ein toller Spaß." Für die Hilfskräfte dagegen oft bitterer Ernst.

Immer wieder erreichen sie Hilferufe aus aller Welt, weil Menschen vermisst, verschüttet, verletzt wurden. "Wir müssen dann innerhalb von sechs Stunden in die Katastrophengebiete starten, denn die Überlebenschancen von Verschütteten sinken von Stunde zu Stunde", erklärt Katja Verfürth.

Quelle: NGZ
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