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Serie Jung, Engagiert, Politisch
"Ich bin ein konservativer Grüner"

Serie Jung, Engagiert, Politisch: "Ich bin ein konservativer Grüner"
Isst Fleisch, fährt Auto und hat bis vor kurzem noch geraucht: Matthias Molzberger entspricht nicht dem landläufigen Klischee des Grünen-Politikers. FOTO: LBER
Neuss. Grünen-Politiker Matthias Molzberger (31) hat 2014 sein Ratsmandat niedergelegt, um sich auf die Arbeit im Kreistag zu konzentrieren. Von Bärbel Broer

Kaarst Dem Klischee des vermeintlich typischen Grünen-Politikers entspricht er nicht: "Ich bin ein fleischessender, autofahrender und bis vor kurzem noch rauchender Grüner", erzählt Matthias Molzberger lachend. Der 31-jährige gebürtige Kaarster engagiert sich seit vielen Jahren in der Kommunalpolitik. "Zunächst als sachkundiger Bürger, ab 2009 im Rat der Stadt Kaarst und seit 2014 mit Doppelmandat im Stadtrat und im Kreistag", zählt er auf. Aufgrund der enormen zeitlichen Belastung habe er sich Ende 2014 entschieden, nur noch im Kreistag aktiv zu sein.

Aber auch das seiner Meinung nach schlechte Klima im Rat der Stadt Kaarst sei ein Grund gewesen, sich ausschließlich im Kreistag zu engagieren. "Hier wird auf sehr sachlicher Ebene gearbeitet, zudem ist die Atmosphäre fairer und weniger selbstdarstellend", sagt er kritisch.

Er sei schon früh ein politisch denkender Mensch gewesen, erzählt Molzberger. Deshalb habe er auch genau wissen wollen, wie Kommunalpolitik funktioniert. "Zudem wollte ich selber mitgestalten und mitmachen." Entscheidungen "von oben herab", aus persönlichen Befindlichkeiten oder an den realen Bedürfnissen der Bürger vorbei, seien nicht sein Ding. Er wolle vielmehr mit den Menschen Politik gestalten.

Molzberger bezeichnet sich selbst als konservativen Grünen: "Ich bin ein absoluter Realo. Grundwerte sind mir besonders wichtig." Dass die Grünen ab 2007 seine politische Heimat sein würden, lag auf der Hand. Denn Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz sowie Anti-Atom-Politik sind ihm immer besonders wichtig gewesen.

Im Kreistag ist Molzberger Mitglied im Planungs- und Umweltausschuss, im Nahverkehrs- und Straßenbauausschuss, im Finanzausschuss sowie im Ausschuss für Rettungswesen, Feuer- und Katastrophenschutz. Seine politischen Interessen seien aber noch viel weiter gefasst. "Sport, Innenpolitik, Justiz, Wirtschaft - all' diese Themen interessieren mich." Auch die große Politik würde ihn reizen, gibt der Betriebswirt zu. "Thematisch reizt mich vor allem auch der Bundestag." Berufspolitiker zu werden, sieht er jedoch kritisch: "Es ist ja kein Beruf, sondern man ist Volksvertreter auf Zeit", so Molzberger. "Das vergessen leider nur viele."

Diese Entwicklung, dass manche Politiker jahrzehntelang im Bundes- oder Landtag tätig sind, sei seiner Ansicht nach verwerflich. "Die Abgeordnetenzeit sollte man daher noch eher begrenzen als die Zeit des Bundespräsidenten", schlägt er vor.

Molzberger ist seiner Heimatstadt eng verbunden. Nach seinem Abitur 2006 am Albert-Einstein-Gymnasium absolvierte er zunächst seinen Zivildienst bei der Johanniter-Unfall-Hilfe und arbeitete während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften in Teilzeit weiter dort. Nach seinem Examen war er unter anderem bei einer Düsseldorfer Personalberatung tätig. 2014 wechselte er zum Lammertzhof, wo er als kaufmännischer Referent arbeitet und somit "als Schnittstelle zwischen Mitarbeitern und Geschäftsführung" fungiert.

Molzberger wohnt nach wie vor in Kaarst, ist seit April verheiratet. In seiner Freizeit spielte er jahrelang Handball in der HG Kaarst-Büttgen, später war er als Schiedsrichter aktiv. Bei den Kaarster Schützen marschierte er 20 Jahre lang mit. "Heute bin ich nicht mehr aktiv, sondern schaue lieber zu." Zudem engagiert er sich bei der Carolus-Gesellschaft, dort ist er eines von vier Vorstandsmitgliedern.

Quelle: NGZ
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