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Bodo Wartke
"Ich nutze Musik, um zu sagen, was mir wichtig ist"

Neuss. Seit mehr als 20 Jahren ist Klavierkabarettist Bodo Wartke im Geschäft. Nun kommt er mit einem antiken Stück nach Neuss: "König Ödipus".

Herr Wartke, "Ich denke, also singe ich" war der Titel Ihres ersten Programms vor mehr als 20 Jahren. Irgendwie kann man das auch als generelles Motto für Ihr Bühnenleben sehen, oder?

Bodo Wartke Ja, tatsächlich interessiert mich die Verbindung von Sprache und Musik und die Übermittlung einer Botschaft. Ich nutze Musik, um das zum Ausdruck zu bringen, was mir wichtig ist.

Und das finden Sie auch in antiken Stoffen wie "König Ödipus" oder "Antigone", das im April Premiere hat?

Wartke Die beiden sind auf jeden Fall Sonderprogramme, denn in meinen anderen sitze ich fast die ganze Zeit am Klavier und singe meine eigenen Songs. In "Ödipus" und auch "Antigone" erzähle ich Geschichten, die nicht ich, sondern Sophokles sich ausgedacht hat, vor mehr als 2000 Jahren. Beide finde ich aber so faszinierend, dass ich mich gefragt habe: Wie kann man die heute mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln interessant und unterhaltsam auf die Bühne bringen?

Und was ist an Ödipus so interessant?

Wartke Es spielt zwar im antiken Theben, aber die Probleme, die da verhandelt werden, sind sehr aktuell. Da geht es um Schicksal und eigene Handlungsfreiheit, die Frage, wie man damit umgeht. Deswegen gehört es ja heute auch noch in der Schule dazu...

Und Sie sind als Schüler damit gequält worden? Oder fanden Sie es gut?

Wartke Beides. Es ist sehr sperrig, und liest sich auch für einen 15-Jährigen nicht besonders leicht. Trotzdem habe ich damals erkannt, dass es ein total gutes Buch ist und mich nur gefragt: Warum schreibt man das nicht mal so um, dass es Spaß macht?

Und das haben Sie gemacht...

Wartke ... und ich wage zu behaupten, dass es Spaß macht. Zumindest nach dem Feedback der Menschen, die es schon gesehen haben. Viele sagen sogar, dass sie es erst danach verstanden haben.

Sie haben den Text also komplett neu gemacht?

Wartke Na ja, das Buch ist in Teilen wirklich so glänzend übersetzt, dass ich auch viele Textstellen im Original zitiere - dann halte ich zum Beispiel ein Reclamheft in die Höhe. Meine Beträge sind mit Sicherheit die lustigsten, aber dennoch behalte ich auch die tragischen Aspekte der Geschichte bei. Es hat doch was von Größe, wie Ödipus für ein Verbrechen büßt, das er unwissentlich begangen hat. Als reine Komödie kann man es nicht inszenieren, dafür ist es zu gehaltvoll, zu berührend und auch zu menschlich.

Aber eine Inszenierung ist Ihr "König Ödipus"?

Wartke Ja, ich spiele alle 14 Rollen selbst, habe also gut zu tun. Rund 160 Minuten dauert die Aufführung.

Und welche Rolle spielt die Musik?

Wartke Im Original tritt ein Chor auf - der bin ich am Klavier. Die Priesterschaft trägt einen Gospel vor, als die Pest in Theben ausbricht, und den Streit zwischen Ödipus und Kreon erzähle ich als HipHop-Battle. Inhaltlich wie bei Sophokles, aber gereimt von mir.

Helga Bittner führte das Gespräch.

Info Selikumer Straße, Mittwoch, 7. März, 20 Uhr, Karten unter 02405/40860

Quelle: NGZ
 
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