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Lena Gruschka
"Im Herzen bin ich immer noch Neusserin"

Neuss. Die 30-jährige Kommunikationsdesignerin Lena Gruschka ist in Neuss aufgewachsen und wohnt in Wuppertal. Sie verbindet mit der Stadt viele Kindheitserinnerungen. Damals nutzte sie gerne so viele Angebote des Ferienprogramms wie möglich.

Wir sitzen im Hof des Neusser Kinderbauernhofs - was verbinden Sie mit diesem Ort?

Lena Gruschka Hier war ich 15 Jahre nicht mehr, hier habe ich früher Tiere gezeichnet und davon geträumt, bei Walt Disney zu arbeiten. Der Kinderbauernhof zeigt eine andere Facette von Neuss. Wenn ich an Neuss denke, denke ich an den Reuschenberger Wald, die Rheinwiesen; das sind die Bereiche meiner Kindheit, und die spiegeln meine Naturverbundenheit wieder.

Sie haben Ihr Abitur am Marienberg-Gymnasium gemacht. Welchen Einfluss hatte die Schule auf Ihre kulturelle Entwicklung?

Gruschka Ich fand Schule nie so toll, und war immer ein bisschen aufsässig. Ich hatte Kunst-Leistungskursus und eine tolle Kunstlehrerin. Mathe fand ich auch ganz toll. Aber dieses "Du musst heute das und das lernen" war nichts für mich. Jetzt lerne ich jeden Tag mit Feuereifer und mache das für mich.

Sie wohnen seit einigen Jahren in Wuppertal, haben zwischendurch in Berlin gelebt. Wie hat sich Ihr Blick auf Neuss verändert?

Gruschka Neuss verbinde ich mit Ländlichkeit, mit dem Frieden, den man hier hat. Wuppertal ist härter, grauer und echter. Berlin ist bunter, wilder und einfach größer. Mit Neuss aber verbinde ich ein Stück Heimat.

Was gefällt Ihnen an Neuss besonders gut?

Gruschka Ich finde Neuss für Heranwachsende toll, wegen der Sicherheit und Stabilität, die es hier gibt. In Berlin würde ich ein Kind nicht einfach allein mehrere Stunden auf einen Kinderbauernhof schicken, in Neuss ist das kein Problem. Und Neuss hat eine recht gute Förderung, was die Sportvereine und auch das Sommerferienprogramm angeht. Ich wollte in den Ferien immer alles von den Angeboten machen, da war immer was los, es gab tolle Angebote.

Was kann Neuss noch besser machen?

Gruschka Neuss müsste offener werden, mehr Möglichkeiten zulassen. Manchmal ist es hier zu eingefahren. Und Neuss vergisst, zu zeigen, was für unglaubliche kulturelle und soziale Facetten es hat. Als ich während der Schulzeit in einer Realschule eine Kunst-AG geleitet habe, wussten die Kinder zum Beispiel nichts von dem tollen Ferienprogramm oder irgendwelchen Möglichkeiten. Die haben immer nur Fernsehen geguckt. Nicht weil sie das wollten, sondern weil sie es nicht besser wussten. Das ist schade und ein gesellschaftliches Problem.

Wie oft sind Sie noch in Neuss und warum?

Gruschka Ich bin in etwa alle zwei Monate in Neuss, vor allem wegen meiner Familie. Aber ich gehe auch immer noch in Neuss zum Arzt und habe einen Ausweis der Stadtbücherei, den ich regelmäßig nutze. Da bin ich im Herzen immer noch Neusserin.

Sie haben neben Ihrer Arbeit als Kommunikationsdesignerin in Ihrem eigenen Büro GK+ die Internetplattform dognet.de gegründet. Wozu?

Gruschka Ich hatte die Idee, ein soziales Netzwerk speziell für Hundebesitzer zu gründen. Was mich an Facebook stört: Da ist jeder. Ich wollte etwas im Bereich Special Interest anbieten. Davor hatte ich bereits für den "red dot design award" das soziale Netzwerk "red dot 21" konzipiert und entwickelt. Da ich selbst einen Hund habe, den Mops Steed, war der Gedanke zwingend. Nach einer längeren Entwicklungsphase und Investorensuche haben wir Ende 2014 die Internetseite dann gestartet und haben mittlerweile 200 000 Nutzer im Monat.

Sie schreiben auf dognet, dass Sie die Kommunikation zwischen Mensch und Hund verbessern wollen...

Gruschka Ich bin immer selbst überrascht, wie viele Menschen einen Hund besitzen, ihn aber noch nicht richtig verstehen. dognet ist eine Plattform zum Dialog. Menschen tauschen ihr Wissen untereinander aus und helfen sich gegenseitig. Zusätzlich haben wir einen Experten-Kreis. Diese schreiben für uns und geben ihr Wissen an unsere User weiter.

Verdienen Sie an dognet?

Gruschka dognet ist eine Vision, Menschen in verschiedenen sozialen Gruppen miteinander zu vereinen und Kommunikation möglich zu machen. Es ist sicher nicht das letzte Netzwerk, das ich entwickeln werde, und es wäre schlichtweg langweilig, jetzt dabei an Geld zu denken.

Arbeiten Sie mehr an dognet oder mehr als Grafikdesignerin?

Gruschka Früher war ich Designer, jetzt bin ich Designer und Geschäftsführerin, es macht Spaß, das zu vereinen. Ich arbeite 14 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Meine Tätigkeit ist dabei so vielfältig, dass ich morgens nie weiß, was ich alles machen werde. Ich erlebe das nicht als Arbeit oder Last, ich gehe gern ins Büro. Ich sitze immer um 17 Uhr am Schreibtisch und finde es schade, dass der Tag schon fast vorbei ist. Ich habe immer noch so viel vor.

KATRIN HAAS FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: NGZ
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