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DEL in Neuss zu Hause
Im Innern der Eishockey-Zentrale

Düsseldorfer EG - Kölner Haie
Düsseldorfer EG - Kölner Haie FOTO: DEL Wintergame/City-Press
Neuss. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat im Neusser Süden ein neues Zuhause gefunden - und knackt Rekorde. Von Sebastian Bergmann

Etwas einsam steht er da, neben einem mit roten, schwarzen und blauen Eddings bekritzelten Flipchart im Konferenzraum: der silberne Pokal der Deutschen Eishockey-Meisterschaft. Das 72 Zentimeter hohe und 10,4 Kilo schwere Objekt der Begierde wird Ende April dem neuen Deutschen Meister überreicht. Bis dahin behält der Pokal seinen Platz im Konferenzraum in Neuss - in der Machtzentrale der Deutschen Eishockey Liga (DEL). "Da der Pokal bei den Feierlichkeiten in der Vergangenheit Schaden genommen hatte, erhält das Meisterteam ein Duplikat, das es behalten darf. Das Original bleibt bei uns beziehungsweise in Ausstellungen", sagt Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL.

Vor zwei Jahren ist die Geschäftsstelle der 1994 gegründeten Profi-Liga von Köln ins Gewerbegebiet Bonner Straße in den Neusser Süden gezogen. Elf Mitarbeiter arbeiten seitdem am Standort in den Bereichen Kommunikation, Sponsoring, Verwaltung und Spielbetrieb. Dass der Neusser Eishockey Verein sportlich nur in der unterklassigen 1. Liga West unterwegs ist, spielte für die Entscheidung der Liga-Bosse, nach Neuss zu ziehen, keine große Rolle. "Der Mietvertrag in Köln ist ausgelaufen, wir wollten und mussten uns vergrößern und die Stadt Neuss hat uns bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten unwahrscheinlich unterstützt. Wir fühlen uns wohl hier und sind noch immer mitten im Eishockey-Kerngebiet in NRW", sagt Tripcke.

Gernot Tripcke ist Geschäftsführer der Deutschen Eishockey Liga. FOTO: lber/DEL

Der 48-Jährige ist seit fast 20 Jahren bei der DEL tätig. Er ist stolz auf die Entwicklung der Liga, denn sie ist ein Erfolgsmodell: Seit fünf Jahren knackt die aus 14 Clubs bestehende Betriebsgesellschaft Jahr für Jahr den eigenen Zuschauerrekord. Zuletzt sahen im Schnitt 6647 Zuschauer die Spiele der Erstligisten, zum sogenannten "Winter Game" in das zur Eishockey-Arena umfunktionierten Fußballstadion der Düsseldorfer Fortuna kamen 51.125 Besucher - ebenfalls Rekord und das meistbesuchte Liga-Spiel zweier Eishockey-Teams in Europa.

"Aber wir denken nicht in Rekorden", sagt Tripcke, der für die Club-Verantwortlichen erster Ansprechpartner und die zentrale Schnittstelle zum Deutschen Eishockey Bund ist. Er ist es auch, der Verträge mit Geschäftspartnern wie der Telekom schließt. Das Unternehmen sicherte sich zuletzt für mehrere Millionen Euro sämtliche Übertragungsrechte an Spielen der DEL bis 2020 und wird ab der kommenden Saison jedes der etwa 400 Saison- und Play-off-Spiele live übertragen. Kein Wunder also, dass der Liga-Boss zufrieden ist. "Die Clubs arbeiten wirtschaftlich, insgesamt generieren die Teams mittlerweile und konstant einen Gruppenumsatz von fast 110 Millionen Euro pro Jahr. Das zeigt, dass sich die Liga nachhaltig entwickelt."

Feuerwerk rundet das Eishockey-Spektakel ab FOTO: DEL Wintergame/City-Press

In dieser Kategorie sei Eishockey die Sportart Nummer zwei in Deutschland. Und selbst wenn der Abstand zum Branchen-Primus, der Deutschen Fußball Liga, deren 18 Erstligisten zuletzt einen Umsatz von 2,62 Milliarden Euro generierten, erwartungsgemäß riesengroß ist, stört ihn das nicht. "Wir schauen nur auf uns und versuchen uns stetig weiter zu verbessern", sagt er.

Zwei Räume weiter sitzt Tino Boos an seinem Schreibtisch. 914 DEL-Spiele für Düsseldorf, Kassel, Köln und Hannover hat der ehemalige Eishockey-Profi auf dem Buckel, drei Mal gewann er die Deutsche Meisterschaft. Hier und heute, in seinem Büro auf der dritten Etage des Firmengebäudes am Bussardweg, jubeln dem Nationalspieler von einst zwar weder Tausende bei der Arbeit zu, noch muss er Schlittschuhe tragen. Doch Boos gefällt seine neue Aufgabe. Seit einigen Monaten gehört er zum dreiköpfigen Team der DEL, das sich um den Spielbetrieb für die beiden höchsten deutschen Spielklassen kümmert. Gerade ist er dabei, sich Spielsequenzen anzuschauen und diese zu kleinen Filmen zusammenzuschneiden. So bereitet er Disziplinarverfahren gegen seine Ex-Kollegen vor. "Wenn die Schiedsrichter Matchstrafen auf dem Eis aussprechen, wird der Spieler automatisch für mindestens ein Spiel gesperrt. Ich schaue mir diese Szenen und auch alle Spieldauerstrafen im Nachhinein noch einmal genau an und entscheide gemeinsam mit zwei weiteren Kollegen, alles erfahrene Ex-Profis und Schiedsrichter, ob die Strafe ausreichend war oder eine darüber hinausgehende Sperre nötig ist. Das teile ich dann den Spielern persönlich mit", sagt Boos.

Während die Play-offs der Saison 15/16 aktuell in vollem Gange sind, wird in der Liga-Zentrale schon am Spielplan für die übernächste Saison gebastelt. Denn das Zusammenstellen der Paarungen gestaltet sich komplizierter als man vielleicht annehmen könnte. "Wir müssen weit im Voraus planen. Dabei spielen Faktoren wie TV, Hallenbelegung, fixe Termine der Clubs und Derbys eine Rolle. Der Rahmenplan für die nächste Saison steht natürlich bereits jetzt", sagt Tripcke.

Bis dahin wird im Neusser Gewerbegebiet weiter fleißig an der Zukunft der DEL gebastelt - immer mit dem Pokal in Blickweite.

Quelle: NGZ
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