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Neuss
Im rasanten Lauf durch die Politik

Neuss. Berliner Kabarett Distel zeigte sein Programm "Im Namen der Raute" im RLT.

Im aktuellen Programm "Im Namen der Raute" des Berliner Kabaretts Distel geht es drunter und drüber. So landet eine harmlose Brautentführung samt eines dubiosen Onkel Horst ausgerechnet im Kühlkeller des Hotel Adlon in Berlin, wo ein Treffen zwischen Barack Obama und Angela Merkel bevorsteht. Irrungen und Wirrungen - zwischen leeren Bierkästen und geschmierten Häppchen - sind also programmiert. Einen roten Faden vermisst man bisweilen im Programm des dienstältesten Kabaretts Deutschlands, das in der Reihe "neuss 20.30" zu Gast im Landestheater war.

Im Mittelpunkt steht - thematisch immer wiederkehrend - die Kanzlerin, deren typische Handhaltung dem Abend den Namen gibt. "Sie trägt nicht nur seit Jahrzehnten Hosen, sie hat sie auch an", meint Caroline Lux. Sie, Edgar Harter und Timo Doleys verstehen es gut, in szenischer Abfolge politisches und gesellschaftliches Tagesgeschehen kritisch zu beleuchten. Sie schlüpfen dabei in immer wieder wechselnde Rollen, mal sind sie krass überzeichnete NSA- und BND-Mitarbeiter, mal muss die Bibel herhalten. Wenn nämlich Moses versucht, sein Volk ins gelobte Land zu bringen, aber an einer stoischen Beamtin der Frontextruppen scheitert.

Und wenn das Freihandelsabkommen TTIP zu den Klängen der Sendung mit der Maus erklärt wird, handelt es sich zwar um eine Sachgeschichte, bei der einem das Lachen aber schnell vergeht. Und zurückliegende Bordellbesuche von VW-Managern weisen laut Edgar Harter erstaunliche Parallelen zu aktuellen Abgaswerten auf: "Erst im Puff, dann Auspuff". Musikalische Unterstützung gibt es von den beiden Multiinstrumentalisten Tilman Ritter und Falk Breitkreuz.

Am Ende löst sich alles in Wohlgefallen auf. Das Treffen der Staatslenker findet - warum auch immer - nicht statt, die Braut und ihr Entführer kommen sich - warum auch immer - näher. Und Onkel Horst entpuppt sich als schnorrender Partygast. Ursula von der Leyen und Sigmar Gabriel wagen ein Tänzchen, und Angela Merkel kriecht zu Bundespräsident Gauck unter die Bettdecke. Wem das alles nicht etwas zu rasant war, der hatte einen vergnüglichen Abend.

(maho)
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