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Peter Soliman
"Im Sommer schaffen wir die schwarze Null"

Peter Soliman: "Im Sommer schaffen wir die schwarze Null"
NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten (l.) begrüßte auf dem Blauen NGZ-Sofa jetzt Peter Soliman. Der Geschäftsführer und Inhaber liebt an seiner Neusser ISR "die Mischung aus globalen Bezügen und lokaler Verbundenheit". FOTO: L. Berns
Neuss. Warum benötigt Neuss eine internationale Schule? Der Geschäftsführer und Inhaber der ISR ging auf dem Blauen NGZ-Sofa auf diese Frage ein, sprach über die Balance von Werten und Wirtschaftlichkeit sowie über seine finanzielle Unabhängigkeit.

NEUSS Die ISR - Internationale Schule - scheint endlich in Neuss angekommen zu sein. Peter Soliman, seit etwas mehr als einem Jahr geschäftsführender Gesellschafter, ist es wichtig, die Schule wirtschaftlich ebenso wie gesellschaftlich im Rhein-Kreis Neuss zu verankern. Darum hat die ISR ins Marketing investiert. Dass der Geschäftsmann Soliman selbst ebenfalls ein guter Werbeträger der ISR ist, bewies er im Gespräch mit NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten auf dem Blauen NGZ-Sofa im Vogthaus. Dort sprach der gebürtige New Yorker und vierfache Vater darüber, was für ihn eine gute Schule ausmacht, begegnete dem Vorurteil, dass ausschließlich Kinder reicher Eltern die ISR besuchten, und beantwortete Fragen zu seinem beruflichen Werdegang und seiner Motivation. Der Talk wird von der Düsseldorfer Privatbrauerei Frankenheim unterstützt.

Herr Soliman, warum braucht Neuss die Internationale Schule?

Peter Soliman Die Internationale Schule ist ein Puzzleteil im schulischen Angebot im Rhein-Kreis. Privatschulen liegen im Trend, und dafür gibt es mehrere Gründe: Einmal den enormen Wettbewerb um einen Platz an einer der Top-Universitäten weltweit. Dann erwarten die großen Firmen immer mehr Flexibilität von ihren Mitarbeitern, weshalb ein Schulsystem benötigt wird, an das man nahtlos anknüpfen kann. Und schließlich gibt es zunehmend bildungsorientierte Eltern. Darüber hinaus werden an Privatschulen oft neue Konzepte erprobt, die später von den öffentlichen Schulen übernommen werden.

Die Zahl der Schüler an Privatschulen soll sich bis zum Jahr 2025 verdoppeln...

Soliman Während in der westlichen Welt 14,3 Prozent aller Schüler eine internationale Schule besuchen, sind es in Deutschland derzeit 8,5 Prozent. Doch verzeichnen die internationalen Schulen hierzulande ein jährliches Wachstum von einem Prozent - entgegen dem demografischen Trend. Denn insgesamt gehen die Schülerzahlen zurück.

Bei Gründung der ISR ging es auch darum, ein adäquates Schulangebot für die Kinder von international tätigen Managern zu schaffen. Heute hat etwa die Hälfte der knapp 600 Schüler an der ISR einen deutschen Pass. Ist die Rechnung nicht aufgegangen?

Soliman Meine eigenen vier Kinder besitzen ebenfalls einen deutschen Pass - aber eben auch einen US-amerikanischen. Viele unserer Schüler haben einen internationalen Bezug. Entweder haben sie ein Elternteil anderer Herkunft oder sie haben schon einige Jahre im Ausland verbracht. Während an anderen internationalen Schulen etwa alle drei Jahre die komplette Schülerschaft ausgewechselt wird, beträgt die Verweildauer bei uns durchschnittlich acht Jahre. Das sorgt für Stabilität und eine schöne Mischung aus globalen Bezügen und lokaler Verbundenheit.

Was macht eine gute internationale Schule in Deutschland aus?

Soliman Wir bieten akademische Leistung: So sind die Abschlussnoten bei uns im Durchschnitt um zehn bis 30 Prozent besser als an anderen privaten Schulen im weiten Umkreis. Gleichzeitig stehen wir als moralische Institution für bestimmte Werte, weshalb wir durchaus auch Schüler bitten, die Schule zu verlassen, wenn sie diese Werte offensichtlich nicht teilen. Und schließlich ermöglichen wir Flexibilität, etwa für Top-Sportler, für die wir das akademische Programm um ihr Training herum knüpfen.

Welche Sorte Eltern klopft denn bei Ihnen an die Schultüre an?

Soliman Es ist ein Vorurteil, dass zu uns nur reiche "Schickimicki"-Kinder kämen. Die Familien, aus denen unsere Schüler kommen, legen großen Wert auf eine gute Bildung. Um sich das leisten zu können, verzichten viele bewusst auf andere Dinge. Zudem bekommen zehn Prozent unserer Schüler ein Vollzeitstipendium.

Bevor Sie die Schule im Dezember 2013 übernommen haben, drohte sie finanziell in die Knie zu gehen. Was haben Sie geändert?

Soliman Wir haben begonnen, die Struktur zu vereinfachen, die zuvor mit 19 Gesellschaftern extrem kompliziert war und Kosten verursachte. Wir haben viel entschlackt, eine lineare Struktur mit einem geschäftsführenden Gesellschafter plus Beirat eingeführt.

Durch die Umstrukturierung kann Ihnen die Politik nicht reinreden ...

Soliman Und wir sind sehr dankbar für diese Unabhängigkeit, die uns erlaubt, rasche Entscheidungen zu treffen und Lösungen zu finden, wenn es erforderlich ist. Diese Unabhängigkeit hat uns aber auch Geld gekostet. Denn im Gegensatz zu anderen internationalen Schulen erhalten wir keinerlei finanzielle Zuschüsse vom Staat.

Vom früheren Inhaber der ISR, Sabis, haben Sie lediglich das Lernkonzept übernommen.

Soliman Richtig. Es ließ sich nicht viel ändern, solange Sabis alle Entscheidungen bis hin zum Hausmeister traf. Jetzt haben wir einen Lizenzvertrag mit Sabis, die ein hervorragendes Programm und Curriculum für zwölf Jahre anbieten, bei dem beispielsweise Schüler und Eltern jederzeit nachvollziehen können, wo das Kind in seiner Schullaufbahn steht.

Sie haben für dieses Jahr eine "schwarze Null" angekündigt. Können Sie Wort halten?

Soliman Tatsächlich stehen wir besser da als ursprünglich geplant. Dafür gilt mein Dank den Eltern, die anderen Eltern davon berichtet haben, warum sie sich für die ISR entschieden haben, und warum diese Entscheidung sich als gut für sie erwiesen hat. Die "schwarze Null" werden wir im Sommer erreichen. Viel wichtiger aber ist mir Qualität.

Wie kommt ein erfolgreicher Geschäftsmann wie Sie eigentlich auf die Schnapsidee, eine Schule zu erwerben und zu leiten?

Soliman Nach 17 Jahren als Partner einer großen Beratungsgesellschaft habe ich 2005 eine insolvente Firma gekauft, wieder nach oben gebracht und schließlich verkauft. Als ich auf der Suche nach einem neuen Projekt war, stand gerade die ISR vor der Insolvenz. Es macht mir einfach Riesenspaß, etwas zu nehmen, das Potenzial besitzt, und daraus etwas zu machen. Und nachdem ich 25 Jahre im Job viel unterwegs war, ist es toll, jeden Tag mit meinen Kindern in Berührung zu sein. Das ist im Moment Luxus für mich.

Ist die ISR Ihre Lebensaufgabe?

Soliman Teilweise schon. Auf jeden Fall bin ich bereit, in den nächsten Jahren täglich da zu sein und auf lange Sicht den Fortbestand der ISR zu sichern und zu verantworten.

SUSANNE NIEMÖHLMANN FASSTE DAS GESPRÄCH ZUSAMMEN

Quelle: NGZ
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