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Neuss
Im Zeichen der Liebe

Neuss: Im Zeichen der Liebe
Neuss. Heute ist der Welttag des Kompliments. Nie war es so leicht, Komplimente zu machen - dank WhatsApp und Emojis. Die kleinen Bilder haben die Kommunikation im digitalen Zeitalter auch als schnelle Boten für die Liebsten erobert. Von Andreas Buchbauer

Als mythische Figur taugt der neue Liebesbote nicht. Wo früher Amor zum Pfeil griff und zielsicher - manche sagen: mitunter auch trunken haarscharf vorbei - Liebende zusammenführte, versucht sich in der digitalen Welt ein knatschgelber Kreis mit Gesichtszügen als Liebesbote. Der Smiley hat die Welt erobert, und zwar analog zur veränderten Kommunikation im Zeitalter von WhatsApp & Co. - denn statt langer Liebesbriefe schicken sich Paare und Menschen, die ein Paar werden wollen, kurze Textnachrichten, die ihre Gefühle knackig auf den Punkt bringen. Der Smiley ist da der perfekte Bote - und wird heute, zum Welttag des Kompliments, ungezählte Male als Handlungsreisender auf Amors Spuren unterwegs sein.

Seit Kurzem hat er sogar Facebook erobert. Statt des üblichen "Gefällt mir"-Daumens können die Nutzer im sozialen Netzwerk nun auch Texte mit Smileys versehen. Das Emoji soll Emotionen transportieren - Freude, Lachen, auch Wut. In der Kommunikation zwischen Freunden und Liebenden, um die es am Welttag des Kompliments natürlich in erster Linie geht, ist der Smiley aber vor allem bei WhatsApp zu Hause. Und im Gegensatz zum reinen Emoticon ("Emotion" - Gefühl, "Icon" - Symbol), das Textnachrichten konnotiert und so die nonverbale Kommunikation zweier Menschen, die sich gegenüberstehen, ersetzt, können Emojis selbst zur Botschaft werden: kleine Bilder, die hintereinandergereiht eine Botschaft ergeben, die keiner Buchstaben mehr bedarf. Einzige Bedingung: Das Gegenüber muss die Botschaft auch verstehen. Sonst könnte es ziemlich schnell peinlich werden. Das gilt fürs Flirten genauso wie fürs Komplimente machen. Der schlimmste Feind eines guten Kompliments ist schließlich ein falsch Verstandenes. Insbesondere, wenn es mit Emojis gemacht wird. Das Gegenüber ruft das Kompliment schließlich alleine ab, es gibt keine Möglichkeit zum flotten Korrektiv. Wenn nach dem gemeinsamen Party-Abend ein in Emojis geschriebenes "Niemand hat so großartig getanzt wie du" als "Einen Preis fürs Tanzen kriegst du nicht" missgedeutet wird, heißt das gerade für vermeintlich zart aufkeimende Romanzen möglicherweise schon: Abtanzen. Und zwar schnell.

Eine Liebe à la Disney: Prinz spielt Saxofon für seine Märchenprinzessin und ergattert den langersehnten Kuss. FOTO: Kirschstein, Frank

Und dennoch: Ein richtig verstandenes Kompliment - zum Beispiel ein kurzer Smiley-Kuss - kann im Alltagsstress, in dem vieles notgedrungen auf der Strecke bleibt, richtig guttun. Natürlich können Emojis das gesprochene Wort nicht ersetzen, aber das ist auch nicht ihr Anspruch.

Auch Sprachwissenschaftler, wie zum Beispiel Peter Schlobinski von der Leibniz-Universität Hannover, sehen Emojis als eine Form von Pragmatismus im globalen Datenverkehr. Sie sind einfach zu verwenden und ökonomisch. Und daher eine neue Form dessen, was die Sportfreunde Stiller einst in ihrem Song "Ein Kompliment" sangen: "Ich wollte dir nur mal eben sagen, dass du das Größte für mich bist."

Eine Liebe à la RTL-Erfolgsformat: "Wäre ich der Bachelor, dann würde ich dir eine Rose schenken." FOTO: Kirschstein, Frank

Weder das klassische Kompliment noch Amor laufen also Gefahr, durch Smileys und andere Emojis aufs Abstellgleis zu geraten. Wie heißt es doch so schön: Omnia vincit Amor. Amor, also die Liebe, besiegt alles. Heutzutage eben auch mit Smiley.

Quelle: NGZ
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