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Neuss
Innung testet den Tischler-Nachwuchs

Neuss: Innung testet den Tischler-Nachwuchs
Tischler sind auf die Verarbeitung und Oberflächenbehandlung von Holz und Holzwerkstoffen spezialisiert. Dazu wird der Bau von Möbeln bis hin zu Bauelementen im Sinne der Holztechnik gerechnet. FOTO: Kreishandwerkerschaft Niederrhein
Neuss. Ob eine Ausbildung im Tischler-Handwerk die richtige Wahl ist, konnten Jugendliche jetzt bei einem Eignungstest in Neuss ausprobieren. Dabei stand nicht nur Theorie, sondern auch eine praktische Übung auf dem Programm. Von Jascha Huschauer

Konzentrierte Stille herrscht im Raum des Berufskolleg für Technik und Informatik (BTI) in Neuss. Acht Jugendliche sitzen vor einem Stapel Papier. Darauf Testfragen aus den Bereichen technische Mathematik, Allgemeinwissen, logisches Denken und räumliches Vorstellungsvermögen. Es ist Samstag, kurz nach 9 Uhr, und alle sind freiwillig hier.

Eingeladen hat die Tischler-Innung im Rhein-Kreis Neuss zum Eignungstest. "Jungen Menschen fällt die Berufswahl meist nicht leicht", sagt Uwe Köhler, Obermeister der Tischler-Innung. "In der Schule haben sie kaum Vorstellungen vom Arbeitsleben entwickeln können." Der Eignungstest solle die Voraussetzungen deutlich machen, die für das Tischler-Handwerk hilfreich sind. Er besteht aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Den Theorie-Test beaufsichtigt Klaus Harder. Der 49-Jährige ist Lehrer für Holztechnik am BTI. Er hat an diesem Morgen einen positiven Eindruck von den Teilnehmern: "Die wirken interessiert. Ich denke, vier oder fünf sehe ich nächstes Jahr im Unterricht." Und tatsächlich bestehen am Ende alle Jugendlichen den Test.

In dem geht es, nachdem die Test-Bögen bei Klaus Harder abgegeben sind, in die praktische Prüfung. Die wird von Thomas Griese (52) und Pascal Cardenia (48) beaufsichtigt. Beide führen einen Meister-Betrieb im Rhein-Kreis. An die acht Eignungs-Prüflinge verteilen sie ein Aufgabenblatt. Darauf ein Plan für den Zuschnitt eines Holzbretts. Den Plan sollen die Jugendlichen auf ein Brett übertragen und entsprechend der korrekten Maße eine Ecke absägen. "Es geht darum zu sehen, wie sie an die Aufgabe heran gehen", sagt Griese. Ein besonderes Augenmerk legt der 52-Jährige auf Silas Müller. Der Schüler hat gerade ein Praktikum in Grieses Betrieb absolviert und ist in der engen Auswahl für die Azubi-Stelle, die Griese im kommenden Jahr haben wird. Am Nachbartisch steht die einzige Frau an diesem Vormittag. Auch Nadine Hürter hat schon ein Praktikum in einer Tischlerei absolviert. Die 19-Jährige hat die Elisabeth-Selbert-Realschule in Büttgen besucht und macht gerade ein freiwilliges soziales Jahr bei den Maltesern. "Ich arbeite gerne mit Holz", sagt sie. Daher habe sie sich um einen Ausbildungsplatz beim Tischler beworben. Die Teilnahme am Eignungstest soll den potenziellen Arbeitgeber überzeugen. Schließlich wird die erfolgreiche Teilnahme mit einem Zertifikat belohnt. "Natürlich ist es für uns als Arbeitgeber wichtig zu sehen, dass die Motivation da ist", sagt Thomas Griese. Ein freiwilliger Test am Samstag um 9 Uhr sei da ein guter Indikator. "Wer hier hinkommt, der meint es auch Ernst", sagt Griese. Neben den Bewerbungschancen hat der Test aber noch einen weiteren Sinn: Er gibt Auskunft über die prinzipielle Eignung und rät unter Umständen dazu, Wissenslücken zu schließen.

Den Weg ins Tischler-Handwerk kann Pascal Cardenia jedenfalls nur empfehlen: "Von der Konjunktur her, geht es uns besser denn je", sagt der 48-Jährige. Die Auftragsbücher seien voll. Gerade plane er beispielsweise ein individuelles Arbeitszimmer für einen Kunden: Schränke, Schreibtisch, Schubladen - alles wird als individuelle Maßanfertigung auf den Raum angepasst. "An uns können Kunden ganz andere Ansprüche in Sachen Qualität stellen, als ans Möbelhaus", sagt Cardenia. Dennoch gehen die Berwerbungen um eine Ausbildungsstelle zurück. "Die Auszubildenden werden langsam knapp", erklärt Uwe Köhler. "Umso wichtiger ist es, freie Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern zu besetzen."

Quelle: NGZ
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