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Neuss
Jaap Robben - ein Autor zum Anfassen

Neuss: Jaap Robben - ein Autor zum Anfassen
Jaap Robben stellte in der Stadtbibliothek seinen ersten Erwachsenenroman vor. Dafür wurde er in der Niederlanden schon hoch gelobt. FOTO: A. Woitschützke
Neuss. Der Niederländer erzählt beim "Literarischen Sommer" in der Stadtbibliothek von seinem Leben und seiner Arbeit. Von Elisabeth Keldenich

Thomas Mann schrieb vormittags eisern am Schreibtisch, Ernest Hemingway quälte sich Satz für Satz ab. Jaap Robben lässt seine Literatur mit Hilfe riesengroßer Blätter entstehen, die von handschriftlichen Notizzetteln übersät sind. Ein solches Blatt zeigte er im Anschluss an die Lesung aus seinem Roman "Birk" in der Stadtbibliothek. "Mir fällt zwischendurch etwas ein, was später eine Rolle spielen könnte - also schreibe ich es schnell auf", erklärte der 32-Jährige Autor.

Als erster Niederländer nahm er beim grenzüberschreitenden Literarischen Sommer teil und gab einen faszinierenden Einblick in seine Welt des Schreibens. Das zahlreich erschienene, überwiegend weibliche Publikum erfuhr von Bibliothekarin Christine Breitschopf zunächst etwas über Robbens Werdegang: Studium des Umweltmanagements und Theaterausbildung. Anschließend verfasste Robben Kinder- und Jugendbücher - und mit "Birk" 2014 seinen ersten Erwachsenenroman. Er wurde mit dem Preis der Niederländischen Buchhändler ausgezeichnet und 2016 in deutscher Übersetzung auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt.

Zu Beginn trug Robben ein paar Seiten auf Niederländisch vor. Danach las er auf Deutsch - kleinere Aussprachefehler wurde vom Publikum mit Schmunzeln korrigiert. Vom Inhalt wurde es sofort in Bann gezogen: Der neunjährige Mikail erlebt das Ertrinken - oder Wegschwimmen, das bleibt ungeklärt - seines Vaters. Er verschweigt es zunächst seiner Mutter Dora, die sich subtil negativ über ihren Mann äußert. Schließlich startet sie eine ergebnislose Suchaktion. Nach einem Zeitsprung von sechs Jahren beschreibt "Birk" das inzwischen sehr angespannte Verhältnis von Mutter und Sohn. Erschwert wird es durch die Wohnsituation auf einer kaum besiedelten fiktiven Insel zwischen Schottland und Norwegen. Es gibt nur einen einzigen Nachbarn namens Karl.

Kaum merklich verschwimmen die Grenzen zwischen Mutterliebe und Inzest - Dora überschreitet zunehmend die feinen Linien. Verstärkt wird diese Intention dadurch, dass Mikail durchgängig als Ich-Erzähler auftritt.

Mit prägnanten Sätzen erzeugt Robben ganze Bilderlandschaften. Im anschließenden Gespräch mit den Zuhörern entpuppte er sich als Autor zum Anfassen und präsentierte Gemälde und Fotos als Inspirationsquellen für "Birk". "Ich wollte vor allem untersuchen, wie sich das Verhältnis zwischen Mutter und Sohn kaum messbar verändert", erläuterte Robben. Auf die Frage, wie denn die Beziehung zu seiner eigenen Mutter sei, antwortete er lachend: "Fragen Sie sie selbst" und deutete auf eine Dame im Publikum. Der Roman entspringe allein seiner Fantasie.

Quelle: NGZ
 
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