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Neuss
Jazz-Trio erweist sich als Kammermusik-Ensemble

Neuss. Das Bret-Willmott-Trio und das Jörg-Kaufmann-Trio beim Doppelkonzert in der Reihe "Blue in Green".

Zu den Kulturangeboten, die sich durch ein sagenhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis auszeichnen, gehört die Jazzreihe "Blue in Green" in der Alten Post, die im Abonnement nicht einmal zehn Euro pro Konzert verlangt. Dafür holt der künstlerische Leiter Philipp van Endert hochkarätige, international gefragte Jazzer nach Neuss. Das zahlt sich besonders aus, wenn - wie jetzt - gleich ein Doppelkonzert geboten wird. Im vollbesetzten Saal des Kulturforums bestritt den ersten Set das Bret-Willmott-Trio.

Willmott ist Gitarrenprofessor am renommierten Berklee College of Music (Boston). Dort studierte einst auch Philipp van Endert bei ihm, der nun zusammen mit dem Lehrer und André Nendza (Bass) das Trio bildet. In der Alten Post waren ausschließlich Kompositionen von Bret Willmott zu hören, die sich durch fast kammermusikalische Delikatesse auszeichnen.

"Sub-Gourmet" gibt André Nendza Gelegenheit zu einem markanten Intro, das er übergangslos in eine mitreißende Improvisation führt. Willmott nimmt das Thema ganz lyrisch auf, van Endert antwortet verhalten und spielt doch einen ganz eigenen Stil. Sehr lyrisch melodiös waren auch der Blues "Tune Tato" und der im Intro an klassische Gitarre gemahnende "Waltz for Andy". Der Schluss geriet oft sehr willkürlich und wenig abgestimmt. Ausgerechnet in der Zugabe "Even Steven" gelang er optimal.

Mit der genialen Kunst eines Leonard Bernstein wurden die Zuhörer nach der Pause geradezu verwöhnt. Das Jörg-Kaufmann-Quartett" spielte aus seiner 2003 aufgenommenen CD "Cool-Music from West Side Story" herrliche Titel. Bereits "America" gab Mathias Haus, einem der ganz großen Vibraphonisten unserer Tage, Gelegenheit zu einer hoch virtuosen Improvisationsreise. Alles an dem Mann ist permanent in Bewegung, natürlich auch seine Doppelschlägel, die er sanft tupft, wenn er Jörg Kaufmann (Sopran-, Tenorsaxofon) beim exzellenten Spiel begleitet.

Von ihm stammen alle Arrangements, die vor allem das improvisatorische Element fördern. So darf in "Mambo" Rainer Wind seinen E-Bass unterkühlt, aber perfekt in den Vordergrund spielen. Altmeister Kurt Billker (Drums) setzt kongenial sein Akustikregal ein und sorgt für manches Schmunzeln. Die fantastische Doppelfuge "Cool" aus West Side Story karikiert er nach aufreibendem Spiel mit einem noch cooleren Abgesang. Nach so viel Energetik sorgte die Ballade "One Hand, one Heart", vom Vibraphon einfühlsam eröffnet, für Entspannung. Die Arrangements bleiben wie bei dem wunderschönen "Tonight" dicht am Original, erfahren in den Improvisationen aber aufregend neue Facetten.

(Nima)
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